Wirtschaftsmorgen

Schnäppchen auf Herz und Nieren geprüft

Archivartikel

Der Heidelberger Benjamin Weiland und sein Bruder Björn empfehlen auf ihrer Internetseite "Dealdoktor.de" Gutscheinaktionen, Gratisartikel und günstige Angebote - und machen dabei auch auf deren eventuelle "Haken" aufmerksam. Von Simone Sohl

Plasmafernseher 150 Euro günstiger als üblich, Zeitschriftenabos für nur fünf Euro pro Halbjahr, 20-Euro-Gutscheine bei einem Spielwarenversand zum Preis von zehn Euro - durch die Weiten des Internets schwirren viele verblüffende Angebote. Doch sind sie alle auch seriös? Oder gibt es versteckte Haken? Björn und Benjamin Weiland gehen diesen Fragen nach: auf ihrer Internetseite Dealdoktor.de prüfen sie Schnäppchen aller Art.

"Kleingedrucktes lese ich inzwischen so leicht wie einen normalen Text", sagt Benjamin und lacht. "Mit der Zeit weiß man genau, worauf man achten muss." Falls beispielsweise nach Abschluss eines "Deals" gekündigt werden muss, damit keine Folgekosten entstehen, dann weisen der 27-Jährige und sein zwei Jahre älterer Bruder nicht nur darauf hin - sie hängen auch gleich eine Musterkündigung an.

Auch in anderen Fällen zeigen die "Dealdoktoren" ihren Lesern Schritt für Schritt, wie sie an die Schnäppchen kommen und dabei eventuelle Fallen umgehen. "Je transparenter wir arbeiten, desto mehr Vertrauen haben die Leute in uns", sagt Benjamin. Bei den Firmen, von denen die Angebote kommen, sorgt so viel Offenheit und Aufklärungsarbeit dagegen nicht immer für Begeisterung: Einige haben die Zusammenarbeit wieder beendet. "Aber das sind Ausnahmen. Die meisten wissen das zu schätzen."

Angefangen hatte alles mit einem Angebot, das die beiden im Herbst 2008 im Internet entdeckten - und das sie begeisterte: Bei einem Fotoanbieter gab es Gratis-Gutscheine im Wert von 200 Euro. "Wir gaben den Tipp auch an Freunde weiter", erzählt Benjamin. "Das war eine Wahnsinnsaktion." Die Brüder, damals noch Studenten, stellten fest: Es gibt viele solcher Gutscheine und Rabatte im Netz. Und es gibt viele, die sich dafür interessieren. So kam Björn, dem Informatiker, die Idee mit der Homepage. "Wir dachten uns: Wenn wir uns die Recherchearbeit ohnehin machen, können wir sie auch anderen zugänglich machen", sagt er. Über das soziale Netzwerk StudiVZ fanden immer mehr Schnäppchenjäger auf die Seite, mittlerweile seien es rund 11000 Nutzer pro Tag.

Mit den steigenden Besucherzahlen kamen auch bald Verträge mit Firmen, deren Angebote bei Dealdoktor.de vorgestellt werden - und so ist aus dem Hobby ein guter Nebenverdienst geworden. Jeden Tag investieren die Brüder ein bisschen Zeit - ohne jedoch ihre hauptberuflichen Tätigkeiten darunter leiden zu lassen: Benjamin ist Referendar an einem Mannheimer Gymnasium, Björn Security-Manager bei einem IT-Dienstleister in Frankfurt.

Die Zusammenarbeit klappt trotz der räumlichen Distanz bestens, sagt dieser: "Wir können uns hundertprozentig aufeinander verlassen." Mit gemeinsamen Webseiten haben sie schon Erfahrung: Als Schüler hatten sie zwei Fanhomepages zu der Fernsehserie "The Simpsons" aufgebaut. "Dass das jetzt weitergeht, freut nicht nur uns - auch unser Vater ist glücklich, dass sich seine Söhne so gut verstehen." Die Aufgaben haben die beiden untereinander aufgeteilt: Während Björn mehr für den Aufbau der Seite zuständig ist, betreut Benjamin die Nutzer. "Die stellen gern auch mal Fragen, obwohl sie im Text zum Schnäppchen schon beantwortet werden", sagt er - da sei dann Geduld gefragt. "Aber die hab' ich ja schon von Berufs wegen", erklärt Benjamin und lacht. "Mir ist die Nähe zu unseren Lesern echt wichtig. Es ist einfach ein super Gefühl, wenn positives Feedback kommt!"

Und die Ideenmaschine steht nicht still: Mit der Seite "Dealfans.de" startet derzeit ein neues Projekt, das ganz auf Interaktivität setzt. Die Nutzer sollen dort selbst Schnäppchen vorstellen, die dann von anderen bewertet werden, erläutert Benjamin. Und betont, dass die Mutterseite damit ergänzt, nicht ersetzt wird: "Wir können uns auch gar nicht vorstellen, damit aufzuhören - es macht einen Riesenspaß!"

Mehr Informationen gibt es unter: www.dealdoktor.de