Wirtschaftsmorgen

Schnittstellen für die Datenflut

Archivartikel

Mit einer neuen Software von SAP verwaltet der Mannheimer Energieversorger MVV seine Kundendaten. Von Frank Schumann

Die Energiewende beschert der Versorgungsbranche unzählige Baustellen: Die Stromerzeugung wandelt sich komplett, erneuerbare Energien müssen in den Markt integriert werden, riesige neue Stromtrassen sind notwendig. Und auch in den Unternehmenszentralen der Versorger hält die neue Energiewelt Einzug - zum Beispiel im Vertrieb. Die Mannheimer MVV Energie arbeitet seit Sommer mit einem neuen System für ihr Customer-Relationship-Management (CRM), mit dem sie die vielfältigen Beziehungen zu ihren Kunden steuert. Das Besondere: Es ist das weltweit erste System für ein Energieunternehmen, das auf der SAP-Datenbanktechnologie Hana basiert.

"Beim bisherigen CRM der MVV Energie standen sehr große Datenmengen sozusagen unverbunden nebeneinander, weil die Schnittstellen gefehlt haben", sagt Bernhard Schumacher, Vertriebsleiter der MVV Energie. Gerade im Industrie- und Geschäftskundenbereich - in dem das neue System zunächst eingeführt wurde - hat das mitunter erheblichen Aufwand verursacht. "Ein MVV-Kunde beispielsweise, der Filialen in ganz Deutschland betreibt, hat je nach Region unterschiedliche Kostenbestandteile in seiner Stromrechnung", erklärt Schumacher. "So müssen wir alleine die Konditionen von etwa 1000 verschiedenen Netzbetreibern in unserer Kalkulation und Abrechnung berücksichtigen. Wenn der Kunde dann zu einer Filiale eine Frage hatte, mussten unsere Mitarbeiter Informationen aus mehreren Quellen zusammentragen - und das kostet Zeit und Geld."

Dank der SAP-Technologie Hana gehört dies der Vergangenheit an. "Der Vertrieb hat jetzt einfachen Zugriff auf komplexe Vertragsbestandteile und -daten - und zwar in Echtzeit", beschreibt Schumacher den Vorzug des neuen CRM-Systems. Vereinfacht ausgedrückt nutzt Hana bei der Datenverarbeitung statt der Festplatte des Computers seinen Arbeitsspeicher. Zusammen mit einer neuen Kombination aus Hard- und Softwareeinsatz kann Hana so enorme Datenmengen in kürzester Zeit bewältigen.

"Hana bietet Verarbeitungsgeschwindigkeiten, die bislang nicht vorstellbar waren", sagt Marcus Willand, der die Einführung des neuen CRM-Systems vonseiten der SAP begleitet hat. "Früher haben Unternehmen Daten-Auswertungen abends gestartet und am nächsten Morgen waren sie fertig", sagt Willand. "Diese Zeiten sind vorbei." Bernhard Schumacher verspricht sich deshalb für die MVV Energie völlig neue Möglichkeiten im Vertrieb.

"Gerade der deutsche Strommarkt wandelt sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Komplexität. Dank der Hana-Technologie können wir darauf nicht nur reagieren, sondern auch Analysen und Simulationen berechnen, aus denen sich passgenaue Angebote für die Kunden ergeben." Der einstellige Millionenbetrag, den die MVV Energie in das CRM-System investiert habe, sei deshalb auch in strategisches Wachstum angelegt.

Einig sind sich das Mannheimer Energieversorgungs-Unternehmen und der Walldorfer Software-Konzern darin, dass das Potenzial von Hana noch längst nicht ausgeschöpft ist. "Die Anzahl der Daten explodiert derzeit bei allen Unternehmen", sagt Willand. "Was Hana dabei alles leisten kann, steht gerade erst am Anfang. Es wird künftig auch darum gehen, neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden, die sich durch das Potenzial der Technologie eröffnen."