Wirtschaftsmorgen

Sicher im Stadion

Archivartikel

Der Zertifikatskurs "Sicherheitsmanagement im Fußball" wird seit 2011 an der SRH Hochschule Heidelberg angeboten. Entstanden ist er aus einem 10-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im Fußball, den der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) 2010 verabschiedete.

Die SRH verfügte durch Studiengänge wie Sportmanagement oder Forensische Sozialarbeit mit Schwerpunkt Fanarbeit im Fußball über das entsprechende Fachwissen - und so wurde der Kurs zusammen mit dem damaligen DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn innerhalb von drei Monaten entwickelt. Zielgruppe sind Sicherheitsbeauftragte oder Ordnungsdienstleiter der Fußballvereine aus allen drei Profiligen.

Dozenten wie SRH-Professoren, Vertreter von DFB oder DFL, Experten von Polizei oder den Berufsgenossenschaften, externe Berater und Anwälte vermitteln Inhalte wie Sicherheitsorganisation und Prävention. Ein Schwerpunkt ist der Umgang mit Menschenmassen (englische Bezeichnung "Crowdmanagement"). Denn laut Michael Nagy, Leiter des Instituts für wissenschaftliche Weiterbildung und Personalentwicklung an der SRH Hochschule, ist Panik oft ein Auslöser von Unfällen vor allem in Fußballstadien. Anhand einer Reihe von Standardsituationen lernen die Kursteilnehmer, Sicherheitsrisiken rechtzeitig zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Derzeit findet der sechste und bisher größte Kurs mit 16 Teilnehmern statt. Mittlerweile haben sich Mitarbeiter aus rund 70 Vereinen in Heidelberg zu "Zertifizierten Sicherheitsmanagern" ausbilden lassen. Bedingt durch Personalwechsel, Auf- und Abstiege sowie die Notwendigkeit, mehr als einen Sicherheitsmanager pro Verein auszubilden, nimmt die Nachfrage nach den Weiterbildungskursen zu.

In Zusammenarbeit mit dem International Centre for Sport Security (ICSS) in Katar hat die Heidelberger SRH Hochschule auch einen internationalen Kurs für "Sicherheit bei Sportgroßveranstaltungen" ins Leben gerufen. Seit Mai dieses Jahres werden die ersten zehn Teilnehmer aus Katar, Malaysia, Nigeria, Italien und Belgien in mehrtägigen Modulen ausgebildet. Inhaltlich unterscheidet sich der Kurs vom deutschen Pendant, denn er bezieht rechtliche und kulturelle Grundlagen der Teilnehmerländer sowie individuelle Verbandsstrukturen mit ein. Und auch unterschiedliche Erfahrungswerte.

Denn während die deutschen Vereine bereits über funktionierende Sicherheitsstandards in den Stadien verfügen, kennen Länder wie das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022, Katar, laut Nagy bisher kaum Sport-Massenveranstaltungen. Umso wichtiger ist hier die Vorbereitung.