Wirtschaftsmorgen

Sprung in die Wintersport-Industrie

Archivartikel

Ein Schuh, der gleichzeitig Wasser abhält und atmungsaktiv ist - für Snowboarder eine Notwendigkeit. Freudenberg aus Weinheim feilt derzeit eine entsprechende Technologie aus. Von Laura Schlegel

Beim Snowboarden kann man sich richtig Auspowern und gleichzeitig die schöne Bergaussicht genießen - für viele ein Traum. Doch beim Anstehen am Lift wird es bitterkalt. Dann lässt auch noch das Material nach, eisiger Schnee landet auf der teils verschwitzten Haut.

Fast jeder Wintersportler kennt diese Probleme, die einem mitunter die Freude am Urlaub vermiesen können. Nicht zuletzt an den Füßen bekommen Snowboarder das zu spüren. Wer nicht will, dass ihm die Zehen abfrieren, muss auf einen wasserfesten Schuh setzen, der aber gleichzeitig den von der Anstrengung abfahrtsweise verschwitzten Füßen die Möglichkeit zum Durchatmen gibt.

Neben anderen hat sich Freudenberg in den letzten Jahren diesem Problem gewidmet. Dafür hat das in Weinheim ansässige Unternehmen ein spezielles Innenfutter entwickelt. Daran waren sowohl Ingenieure in Deutschland als auch in den USA beteiligt. Hergestellt werden die entsprechenden Substrate in Großbritannien - eine globale Produktion.

Die so entstehende Laufsohle ist mit einem fein gesponnenen Vliesstoff ausgestattet, einem sogenannten Super Absorbent Polymer. Dieser kann im Notfall Flüssigkeit speichern. "Dennoch ist die Laufsohle im trockenen Zustand luftdurchlässig", erklärt ein Sprecher von Freudenberg. "Das unterscheidet diese sogenannte Airliner Technologie von Membranen, die zwar wasserdampfdurchlässig, aber nicht luftdurchlässig sind." Aktuell wird der neue Innenschuh von einem Snowboardlehrer getestet. Laut Freudenberg ist er mit dem Produkt bislang zufrieden. Doch seine Saison ist noch nicht vorbei.

Ganz neu ist das Verfahren allerdings nicht. Die Technologie verwendete Freudenberg bereits in einem Schuh der "Gallus Clima"-Serie der Marke Deichmann verwendet. Für wen Freudenberg den Vliesstoff jetzt weiterentwickelt, wollte das Unternehmen nicht bekannt geben. Auch in ganz anderen Produkten kommt diese Technologie zum Einsatz, allerdings etwas verändert, heißt es weiter aus dem Weinheimer Konzern. "Die Maschinen werden seit über 30 Jahren verfeinert", sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Etwa in Bettwäsche, die atmungsaktiv sein und gleichzeitig vor Milben schützen soll. Auch Autohersteller würden auf die Technik zurückgreifen: Sie verwenden sie für ein Verpackungsmaterial, das vor Minikratzern schützen soll. "Das ist alles im Grunde das gleiche System", so die Sprecherin. Lediglich abgewandelt.

Wann der neue Schuh auf den Markt kommt, ist noch unklar. Doch bis zur nächsten Saison haben Wintersportfans ja auch noch etwas Zeit, um sich über die Zusammenstellung ihrer Ausrüstung Gedanken zu machen. Dass Unternehmen mit dem Spaß im Schnee gut Geld verdienen können, steht indes außer Frage. Allein die Menschen in Deutschland geben mittlerweile jährlich rund 16,4 Milliarden Euro für Wintersportzubehör aus. Ein Zug, auf den auch Freudenberg wahrscheinlich gerne aufspringt.