Wirtschaftsmorgen

Tupperparty für den Mann

Archivartikel

Seinen ersten Braukurs hat René Kaufmann bereits mit 16 Jahren gemacht. Denn Bier, so sagt er, sei immer ein Thema für ihn gewesen. "Nicht das Massenbier, sondern Bier aus kleinen Brauereien." Mit Mitte zwanzig folgt ein weiterer Kurs, seither braut Kaufmann im heimischen Keller Biere für den Eigenbedarf. 2011 kam schließlich der nächste Schritt: Seit diesem Zeitpunkt gibt der 37-Jährige sein Wissen mit "Hopfenkind" weiter, bietet Braukurse, Bierwanderungen auf dem Heidelberger Philosophenweg und Biertastings an.

Beruflich schlug der Bier-Liebhaber aber erst einmal einen ganz anderen Weg ein. "Ich wollte gerne etwas mit Menschen und Kultur machen", erzählt er. Also studierte er Ethnologie. Doch schon bald war er im Marketing für große Brauerei-Kunden wie Becks tätig - oft auch in den USA. Dort lernte er die Begeisterung für Craft Bier kennen. Ein Trend, der dort seit den 1980er Jahren ungebrochen ist. Laut Kaufmann machen Craft Biere heute 13 bis 14 Prozent des US-Biermarktes aus. Und auch in Deutschland wird der Markt derzeit von kleinen Brauereien ordentlich aufgemischt. Denn trotz sinkendem Bierkonsum steigt der Anteil von Craft-Bieren auch hier stetig an. Selbst große Brauereien und Braukonzerne springen auf den Zug auf und bieten mittlerweile verschiedenste Bierspezialitäten an.

Kaufmann gefällt diese Entwicklung. Er sieht sich mit Hopfenkind als Teil der deutschen Craft-Bier-Bewegung, der seinen Angaben nach derzeit rund 2000 bis 3000 Menschen angehören. Sie stehen über soziale Netzwerke oder Blogs in Kontakt. "Wir wollen hin zu mehr Vielfalt, mehr Handwerk und zu guten Zutaten."

Laufend entstehen neue Produkte mit hochwertigen Zutaten, wird mit neuen Aromen wie Kräuter oder Früchten experimentiert. Das sieht das Reinheitsgebot aber nicht vor, daher bricht Kaufmann wie viele seiner jungen Brauerkollegen mit dieser Tradition: "Interessante Biere fangen für mich dort an, wo das Reinheitsgebot aufhört."

2011 beschloss René Kaufmann, seine Kenntnisse über Bier und seine Leidenschaft für das Bierbrauen auch an andere weiterzugeben. Er gründete Hopfenkind, gab anfangs nebenberuflich Braukurse an seiner heimischen kleinen Brauanlage im Keller. Die Nachfrage wurde schnell größer und der Keller zu klein. Mittlerweile führt er ein bis zwei Kurse pro Monat in Zusammenarbeit mit der Brauerei zum Klosterhof in Heidelberg durch.

Dazu kommen individuelle Kurse für Kleingruppen oder Events bei Unternehmen. 89 Euro kostet ein fünf- bis sechsstündiger Kurs pro Person, darin enthalten ist ein Vesper sowie eine Flasche selbst gebrautes Bier. Das darf sich der stolze Neu-Brauer nach einer Lagerzeit von drei bis vier Wochen abholen. Während dieser Zeit gärt das Bier in der Flasche nach. "Für den Geschmack ist diese Zeit enorm wichtig", weiß Kaufmann.

Hopfenkind hat sein Angebot mittlerweile ausgeweitet. "Mir war schnell klar: Man kann Bier den Leuten auch anders näher bringen." Ein Biertasting lag nahe, lustiger fand Kaufmann aber die Idee, sich dabei zu bewegen.

Seither wandert er mit seinen Kunden - jeder ausgerüstet mit einem Sechser-Träger Bier und einem Glas - mehrmals pro Jahr über den Philosophenweg und erzählt an verschiedenen Stationen Anekdoten rund ums Bier, das Brauwesen sowie die Geschichte des Bierbrauens in Heidelberg.

Dabei werden verschiedene Biere verkostet. Und man erfährt, warum Bierbrauen früher eine Frauendomäne war. Oder warum die Menschen kurz nach der Entdeckung des Bierbrauens sesshaft wurden. 29 Euro kostet der Spaß für zwei bis drei Stunden. "Die Tupperparty für den Mann" nennt Kaufmann schließlich die Bierverkostung, die er auf Wunsch bei Kunden zuhause veranstaltet.

"Die Hopfenkind-Zielgruppe sind hauptsächlich 30- bis 50-jährige, genussorientierte Menschen, die sich auch mit Wein oder Whisky auskennen", so Kaufmann. Vom SAP-Manager bis zum Rentner sei alles dabei. "Sie haben Spaß am Genuss und der Aufwertung von Bier." Ende 2013 kündigte Kaufmann seinen Job, ist heute neben Hopfenkind als freiberuflicher Innovationsberater tätig. Sein Know-how nutzt er aber auch für seine eigene Craft-Bier-"Revolution", wie er sie nennt. Denn: "Bier hat Qualität, ist innovativ, vielfältig und hochwertig", sagt der 37-Jährige. Und das soll jeder wissen.

Noch produziert Kaufmann nur rund 20 bis 30 Liter Bier im Keller, das er dann für Familie und Freunde in Flaschen abfüllt. Doch 2016 will er zusammen mit Benjamin Vivell sein eigenes selbst gebrautes Bier verkaufen. Vor allem in Vivells "Taproom Jungbusch", einer speziellen Craft-Bier-Bar, die demnächst im Mannheimer Stadtteil Jungbusch eröffnen soll.

Die beiden Männer haben nach Angaben von Kaufmann dazu bereits Gespräche mit einer kleinen Brauerei in Philippsburg geführt. "Dort wollen wir dann als sogenannte Gipsy- oder Vagabundenbrauer unser eigenes Bier herstellen", erzählt Kaufmann von seinem künftigen Plan.