Wirtschaftsmorgen

Vernetzt, elektrisch, selbstfahrend

Der traditionsreiche Daimler-Standort im pfälzischen Wörth wächst. Fast zehn Jahre nach der Eröffnung baut der Konzern das Entwicklungs- und Versuchszentrum (EVZ) für Lastwagen der Marke Mercedes-Benz aus – für rund 50 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2020 sollen ein zusätzliches Büro- und Werkstattgebäude, ein neuer Prüfstand sowie Parkplätze für Versuchsfahrzeuge entstehen. Die Zahl der Mitarbeiter wächst von 200 auf 350. „Dadurch gewinnt das Montagewerk weiter an Bedeutung im globalen Produktionsnetzwerk“, sagt ein Konzernsprecher. Im Wörther Werk – unweit des Entwicklungs- und Versuchszentrums – werden Lkw-Motoren eingebaut, die beim Mannheimer „Benz“ hergestellt werden.

Ingenieure tüfteln im Forschungszentrum am Lastwagen der Zukunft. Es soll eine wichtige Rolle auf dem Weg zum vernetzten, automatisierten und elektrischen Fahren spielen. In Wörth gibt es zahlreiche Wegstrecken, die alles andere als komfortabel sind.

Das ist Absicht: So können für Versuchsfahrzeuge die gleichen Bedingungen geschaffen werden, wie sie zum Beispiel in Südamerika, Südkorea, Afrika und auch in Europa herrschen. Auf der sogenannten Einfahrbahn mit teils starken Neigungen testet der Hersteller Sicherheitssysteme, Bremsen und Fahrdynamik. Aus der Luft sehen die Fahrbahnen ein bisschen aus wie eine Spielzeug-Rennbahn.

Das größte Lkw-Montagewerk von Mercedes-Benz inmitten der Wörther Rheinauen existiert seit 1963, es startete mit rund 100 Beschäftigten. Damals wurden Fahrerhäuser montiert. Heute ist das Werk mit 11 000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz. Viele Menschen verdienen dort schon in zweiter und dritter Generation ihr Geld; unter der Belegschaft, so sagt man, kursiert der „Wörther Geist“.

Nach Angaben von Daimler verlassen täglich bis zu 470 neue, individuell gefertigte Lastwagen die Produktionshallen der Marke Mercedes-Benz. Darunter die Modelle Antos, Arocs, Atego und der Schwerlast-Lkw Actros. Darüber hinaus liefert das Werk Fahrzeug-Bausätze in zahlreiche Übersee-Märkte zur Endmontage vor Ort.