Wirtschaftsmorgen

Vertrauen als harte Währung

Archivartikel

Was braucht es am meisten, wenn eine Branche in ihren Grundfesten erschüttert wurde? Informationen und Transparenz, um bei Verbrauchern und potenziellen Kunden wieder Vertrauen aufzubauen. Genau dies war der Ansatz für die Mannheimer Unternehmer Johannes Feuling, Martin Brombacher und Alexandre Janicki, das Internet-Portal gute-banken.de zu gründen. Im Zentrum steht dabei die Bewertung von Bankfilialen durch ihre Kunden.

Die drei Männer haben sich Ende der 1990er Jahre kennengelernt, als sie eine Beratungsfirma für Hypotheken aufgebaut haben, damals unter dem Dach der Aareal Hypotheken Vermittlungs GmbH. Bei diesem Projekt ging es ihnen darum, den Kunden mit Hilfe eines computergestützten Verfahrens das für sie am besten geeignete Immobiliendarlehen zur Verfügung zu stellen. Und sie sind heute noch stolz darauf, tausende von Einzeldarlehen vermittelt zu haben, von denen nach letztem Kenntnisstand nur eines "notleidend" geworden ist.

Im Jahr 2009 gab es dann schließlich die ersten Überlegungen, das Internetportal gute-banken.de zu gründen. Mitte 2010 ging es dann an den Start. Da die Macher alle in Mannheim wohnen, wurde die Stadt auch zum Firmensitz. Die Filialen in den Mittelpunkt zu stellen, fußt für die drei Unternehmer in der Besonderheit des deutschen Bankensystems.

"Es gibt die Sparkassen, die Genossenschaftsbanken und die Großbanken, die aber nicht mehr als 20 Prozent ausmachen", erklärt Janicki, der in diesen drei Säulen auch die Stärke Deutschlands sieht. Denn Sparkassen und Genossenschaftsbanken seien die traditionellen Partner des Mittelstandes, der die Wirtschaft in Deutschland trage.

Wenn Kunden die Banken bewerten, müssen sie sich durch einen Bogen mit 21 Punkten klicken, der vor allem abfragt, wie zufrieden sie mit ihrer Filiale, dem Preis-Leistungs-Verhältnis und dem regionalen Engagement sind und ob sie die Filiale weiterempfehlen können. "Wir fragen ganz bewusst nicht nach Produkten, erstellen auch kein Ranking", betont Feuling. Auch die Berater als Personen spielen keine Rolle, lediglich die Qualität ihrer Arbeit spiegelt sich in der Bewertung wieder. "Dieser Teil wird aber nicht für die Allgemeinheit abgebildet", ergänzt er.

Und womit verdienen die drei Gründer bei dem Internetportal ihr Geld? Sie bieten den Banken ein sogenanntes Dialog-Paket an, durch das sie über alle Bewertungen informiert werden und auch unmittelbar auf Lob und Kritik reagieren können, entweder im direkten Kontakt mit dem Kunden oder über ein Statement, das dann auf der Internetseite erscheint. Außerdem werden die Filialen der Partnerbanken auch mit Fragebogen-Postkarten ausgestattet, die direkt in den Filialen ausgefüllt werden können und die dann ein Call-Center in Mannheim für das Portal auswertet.

Die Banken können die Informationen auf der Seite außerdem auch durch Bilder, PR-Artikel und Informationen zu ihrem gesellschaftlichen Engagement ergänzen. Zu guter Letzt bereiten die Macher die statistischen Informationen, die sie durch die Bewertungen gewinnen, für die jeweiligen Banken und ihre Filialen auf. Das kommt gut an: Im vergangenen Jahr verzeichneten sie nach eigenen Angaben auf ihren Portalen insgesamt 12 Millionen Besucher. Und stehen schon heute mit rund 500 Banken in ganz Deutschland in Kontakt.

Die Informationen, die die Besucher durch ihre Bewertung auf dem Portal hinterlassen, sind der eigentliche Schatz des Unternehmens. Seit 2011 sind über 87 000 Bewertungen eingegangen, Tendenz steigend. Für das Jahr 2015 erwarten die drei über 30 000 Bewertungen. Damit verfügen sie über das nach eigener Einschätzung größte Datenfeld, das es in Deutschland zum Verhältnis zwischen Banken und ihren Kunden gibt.

Jede einzelne Bewertung wird vom Kern-Team, zu dem neben den drei Gesellschaftern noch eine Mitarbeiterin gehört, gelesen. Anhand der IP-Adresse der Nachricht sehen sie, ob die Bewertung beispielsweise aus einem Bankhaus kommt. "Wenn ein Bankmitarbeiter eine andere Bank schlecht bewertet, nehmen wir die Bewertung nicht heraus, kennzeichnen sie aber als unfair", erklärt Brombacher. Auch Namen von Beratern würden unkenntlich gemacht. Die hohe Zahl an Bewertungen ist für die Betreiber ein Zeichen, wie groß das Vertrauen der Kunden ist. Und dieses Vertrauen ist ihre eigentliche Währung. Denn sie müssen einräumen: Noch trägt sich das Portal wirtschaftlich nicht. Doch das soll sich ändern, denn sie suchen nach Investoren.

Einfach abkaufen lassen wollen sich die drei Mannheimer Unternehmer ihren Informationsschatz allerdings nicht. "Die Daten sollen nicht für reine Werbung ausgeschlachtet werden", betont Feuling. Das würde ihrem Verständnis von Verbraucherschutz widersprechen, das sie künftig auch auf weitere Internet-Portale übertragen wollen. So sind Feuling zufolge neu entwickelte Angebote für Krankenhäuser, Energieversorger und Versicherungen geplant.