Wissenschaft

Sensoren schippen keinen Schnee

Archivartikel

Die Zahl der klassischen Wetterbeobachter geht vielerorts zurück. Technische Geräte können Daten dazu äußerst genau messen, auch bei der Verarbeitung sind Computer schnell und präzise. Meteorologen werden trotzdem noch gebraucht.

Mehr Messungen über den Weltmeeren könnten Wettervorhersagen nach Überzeugung des Klimaforschers Mojib Latif noch präziser machen. „Gerade, wenn es um tropische Wirbelstürme geht – Hurrikane, Taifune, Zyklone – sind Messungen über den Meeren von unschätzbarem Wert“, sagte der Forscher der Deutschen Presse-Agentur.

Wichtig wäre es aus seiner Sicht, die Windverteilung in verschiedenen Höhen und die Temperaturverteilung in unterschiedlichen Meerestiefen noch besser zu erfassen. „Aber auch bessere Daten aus den Polargebieten wären hilfreich für die Wettervorhersage.“

Seit Jahren werden Wetterdaten immer präziser. Wurden Temperaturen früher mit einer Genauigkeit von bis zu 0,5 Grad gemessen, herrscht heute eine Präzision von bis zu einem hundertstel Grad. „In den nächsten Jahrzehnten werden wir voraussichtlich eine deutliche Verschiebung zu mehr Daten aus Radarnetzen und Satellitenbeobachtung haben“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. „Der Anteil solcher Fernerkundungsdaten beträgt bereits heute etwa 50 Prozent und wird schon bald bei 80 Prozent liegen.“

Täglich landen im DWD wohl mehr als eine Million Wettermeldungen – vom Boden, von den Meeren, von Wetterballons, Radargeräten, Flugzeugen und Satelliten. Der schnelle Datenfluss und -austausch, bessere Sensoren, Wetterradar, Satellitentechnik und nicht zuletzt leistungsfähigere Super-Computer wirken: Mittlerweile ist für Deutschland eine Vorhersage für die nächsten sieben Tage viel genauer als eine aus den 1970ern für die folgenden 36 Stunden.

Auch wenn der Computer schneller rechnen kann als der Mensch – Aufgaben für die Meteorologen gibt es weiter reichlich. Sie sind schließlich diejenigen, die die Prognosen der Rechner interpretieren und beispielsweise vor Extremwetterereignissen warnen müssen. „Unsere Wetterwarnungen werden inzwischen direkt und binnen Minuten per Internet und über unsere WarnWetter-App verbreitet“, sagt Gerhard Lux.

Die Bedeutung präziser Vorhersagen ist erheblich, sei es für Logistikunternehmen, die Bahn oder den Flugverkehr. Gerade großflächige Unwetterereignisse können so bei der Planung berücksichtigt werden. Auch für Landwirte ist es wichtig zu wissen, wann genau Starkregen droht.

In der Fläche allerdings ersetzt Kollege Computer immer mehr den Menschen. Auf der Zugspitze war 2018 nach fast 120 Jahren weitgehend Schluss mit der „bemannten“ Wetterbeobachtung. Harrten Wetterbeobachter früher bei Wind und Wetter Tag und Nacht in dem 16 Quadratmeter großen Domizil auf 2962 Metern Höhe aus, so fahren sie nun nur noch auf Deutschlands höchsten Berg, um die Instrumente zu kontrollieren.

Bis 2021 sollen alle 182 hauptamtlichen DWD-Wetterstationen automatisiert laufen. Ein paar Dinge müssen gerade auf dem Berg aber auch weiterhin Menschen tun: Schneehöhen können Sensoren wegen Verwehungen bisher nicht zuverlässig bestimmen – und im Winter muss geschippt werden, sonst würde die Station im Schnee versinken. dpa