Zeitzeichen

Ach, die Liebe!

Er ist den Verliebten gewidmet, der heutige Valentinstag. Auf der Hitliste berühmter Liebespaare stehen Romeo und Julia ganz oben. Und der von Shakespeare so poetisch formulierte Wunsch, eine wunderbare (vielleicht einzige gemeinsame) Nacht möge noch lange nicht zu Ende sein, hat sich eingeprägt: „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche ... .“ Als Kind hat mich freilich eine ganz andere Nachtigall beschäftigt – die „zicküth, zicküth“ trällernde Nachtsängerin, in die eine böse Hexe das Mädchen „schöner als alle andere“ verzaubert hat, um es in einem Korb gefangen zu halten.

Das Brüder- Grimm- Märchen von Jorinde und Joringel, die „sich zusammen versprochen und ihr größtes Vergnügen eins am andern hatten“, bewegte auch Freundinnen. Wir stellten uns ein junges Paar vor, das Händchen haltend durch den Wald hüpfte, malten uns naiv aus, was wohl „ihr größtes Vergnügen“ in den erwähnten „Brauttagen“ gewesen sein mochte. Und die blutrote Blume mit Perle, die dem Jüngling Joringel ermöglichte, seine Jorinde zu erlösen, beflügelte unsere Fantasie.

Bei all den Liebespaaren, die Literatur, Lyrik und Legenden adeln, sind Jorinde und Joringel meine Lieblinge. Auch wegen des Schlusses, der fast modern anmutet. Die Geschichte endet nicht etwa: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Die Botschaft lautet viel eher märchenhaft schön: „Und sie lebten lange vergnügt zusammen.“ Ach, wenn dies auch Romeo und Julia hätten erleben dürfen! Waltraud Kirsch-Mayer