Zeitzeichen

Anstand

Fragen, die sich ständig stellen: Was wird aus unseren guten Sitten oder ist schon aus ihnen geworden? Und was soll aus Europa werden, wenn nicht einmal mehr die lieben Deutschen so anständig sind, um zu ihren guten Verordnungen zu stehen? Auch an der Mannheimer Rheinpromenade ergeben sich solche Fragen, an einem ganz beliebigen Tag. Geschätzt ein Viertel der Passanten hat da einen freilaufenden Hund an der Seite (besser: mehr oder weniger dort), ein weiteres Viertel der Personen fährt stolz erhoben oder lässig auf dem Fahrrad, obwohl Schilder an einer Zugangsseite beide Aktivitäten untersagen: Ein Fußgänger- und kein Radweg ist das, und für Hunde gilt Anleinpflicht. Allerdings weist die Beschilderung eines weiteren Zugangs nur auf das Anleingebot ausdrücklich hin, was die Radfahrer vielleicht in Sicherheit wiegt, deren Treiben aber ja doch untersagt bleibt – implizit jedenfalls, denn es findet sich stets ein Fußwegschild.

Ob da manche meinen, sie seien im Recht, solange kein ausdrückliches Verbot angezeigt ist? Besser nicht diskutieren, es führt zu nichts. Wenn aber Unkenntnis vorliegt oder ein schlichtes Vergessen der Regeln: Ist das streng betrachtet überhaupt eine Missachtung? Kaum weiter führt es auch, die jeweils etwas unterschiedliche Beschilderung der Promenadenzugänge in ein Verhältnis zum regelwidrigen Verhalten zu setzen – oder das auch nur zu versuchen. Und ob es insgesamt zur Verbesserung der Lage beiträgt, wenn ein weiteres Schild das Fußballspielen auf der Grünfläche untersagt und dies tatsächlich beherzigt wird? Noch besser ist dies: Entspannt bleiben und nicht weiter nachdenken. Dieses Land und Europa haben wahrscheinlich doch größere Probleme. Thomas Groß