Zeitzeichen

Auch Götter machen Fehler

Archivartikel

Bei Namen wie Beatles, Rolling Stones oder Jimi Hendrix schlagen Rockfans die Hacken vor Ehrfurcht zusammen. Aber auch diese hehren Rock-Götter haben ganz und gar menschliche Züge; sprich: Sie sind nicht unfehlbar. Selbst die heiligen Beatles haben bisweilen ganz schön verwackelt geklungen. Wer etwa „You’re Going To Lose That Girl“ (1965) anhört, sollte mal auf Ringo Starr hören. Der drischt total chaotisch auf die Bongos ein wie ein Trommeläffchen (dieses Kinderspielzeug kennen noch die Älteren unter uns). Fans der Stones haben allerdings keinen Grund zur Häme: Songs, bei denen ihre Lieblinge geklungen haben, als seien sie nicht ganz bei der Sache, sind Legion. Auf ihrer Version von „Ain’t Too Proud To Beg“ (1974) etwa hört sich Keith Richards’ verunglücktes Gitarren-Solo an, als habe er einen Gichtanfall in seinen Fingern.

Wer meint, solche Mängel seien nur in den Kindertagen der Rockmusik gemacht worden, irrt. Sehr schön ist etwa der Missklang, der auf „Roxanne“ (1978) von The Police zu Beginn ertönt. Der Legende nach stieß Frontmann Sting versehentlich gegen ein hinter ihm stehendes Klavier. Legendär ist auch der Fehlstart von James Blunt auf „You’re Beautiful“ (2005). Seine zu früh gesungene Textzeile „My life is brillant“ wurde veröffentlicht, aber in der Radioversion gelöscht.

Es besaß halt nicht jeder die Souveränität von Ella Fitzgerald. Als die Jazz-Diva bei ihrem berühmten Berlin-Konzert 1960 den Text von „Mack The Knife“ vergaß, improvisierte sie einfach: „Oh, wie geht’s jetzt weiter? Das ist die Stelle, die ich nicht kenne. Aber es ist ein swingender Song“ – alles glasklar intoniert und rhythmisch auf den Punkt. Eine echte (Jazz-)Göttin. Und dabei so menschlich.