Zeitzeichen

Bitte recht freundlich!

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, heißt es ja. Insofern sind die Deutschen auf einem guten Weg. In einer Umfrage, die das Basel Institute of Commons and Economics online durchgeführt hat, schätzen die Deutschen die Freundlichkeit ihrer Mitmenschen nicht besonders hoch ein. Auf einer Skala von 1 (niedrig) bis 10 (hoch) vergeben die Deutschen ihren Mitbürgern einen Freundlichkeitswert von 6,5 Punkten. Etwas besser sieht es beim Thema Hilfsbereitschaft aus: 7 Punkte hier. Die Gastfreundlichkeit hingegen lässt zu wünschen übrig – mehr als 6 Punkte sind nicht drin.

Immerhin, in Sachen Ehrlichkeit gibt es 10 Punkte – die Selbsteinschätzungen sind durchaus zutreffend, da wird gar nicht erst versucht, die Lage schönzureden.

Die Frage ist nur: Wenn es jeder weiß, warum ändert es dann niemand? Gerne wird sich hierzulande über das „How are you?“– Wie geht es dir? – der US-Amerikaner lustig gemacht. Das sei doch nur oberflächiges Gerede, die wollten ja gar nicht wissen, wie es mir geht. Genau, das wollen sie nicht wissen! Sie wollen aber freundlich sein. Zeigen, dass sie das Gegenüber sei es auf der Straße, beim Warten vor dem Aufzug, an der Supermarktkasse registriert haben. Und sie erwarten ganz einfach und schlicht ein „Good. How are you?“ – Gut, und dir? – zurück. Zu einer Antwort ist niemand verpflichtet, es darf aber gelächelt werden.

Im Übrigen hängt das Maß an Freundlichkeit nicht von äußeren Bedingungen ab. Auch das hat die Online-Umfrage gezeigt: So schätzt ausgerechnet die von Konflikten geprägte Zentralafrikanische Republik die Freundlichkeit ihrer Bewohner als extrem hoch ein, das (materiell arme) Sudan wiederum legt besonderen Wert auf seine große Gastfreundschaft. Stefanie Ball