Zeitzeichen

Buben und Mädchen

Archivartikel

Ein Bubenstück sei das, sagte neulich ein älterer Herr im Hinblick auf eine politische Angelegenheit, die hier außen vor bleiben soll. Schon das Wort Bubenstück allein bietet Anlass genug, wonnig lächelnd in der Truhe fast vergessener Sprachkleinodien zu wühlen. In derberen Zeiten, also heute, würde man zum Ausdruck der Empörung über bestimmte Sachverhalte vielleicht eher von einer Schweinerei, vielleicht gar einer Sauerei sprechen. Über den Eingängen noch streng nach Geschlecht trennenden gründerzeitlichen Sandsteinschulen steht im Süden nicht nur Knaben, sondern auch mal Buben. Längst (Gott sei Dank) dürfen Grundschüler und Grundschülerinnen gemeinsam durch jegliche Tür der Lehranstalt schlüpfen. Hierzulande ist der „Bu“, das „Buwl“ und das „Biwel“ oder gar das zur Winzigkeit verniedlichte „Biwelä“ also weitaus besser beleumundet als der Bube in fernen, sagen wir zu Schillers Zeiten. Immerhin hat dieser ganz buchstäblich ein Schurkenstück namens „Die Räuber“ geschrieben, voller „Spießgesellen“ und Mordbuben. Schon dem Knaben wird also Gewaltpotenzial und kriminelle Energie unterstellt. Ist das gerecht? Hörte man je vom Mädchenstück, dem Mordmädchen oder von Spießgesellinnen? Skandal! Sprachpolitisch eindeutig eine Buben*Mädchen*Stück*in!