Zeitzeichen

Bücher

Heutzutage ein Buch schreiben, das im Dreißigjährigen Krieg spielt? Ein Buch wie "Tyll", der neue Roman Daniel Kehlmanns? Und das heute, da es doch so viel Gegenwart zu geben scheint wie selten oder gar wie nie? Nun, da müsste man mal die Leute von damals fragen, ob sie der Meinung gewesen seien, dass die Gegenwart später mal noch gegenwärtiger sein könnte. Tatsächlich lässt sich ja vieles auch in weiter Ferne spiegeln und wirkt dann zuweilen noch präsenter. Es kommt freilich sehr darauf an, wer den Spiegel hält. Manches andere, Menschliche, bleibt sich ohnedies immer gleich.

Wer es aber sehr mit den Zahlen und auch den Jubiläen hat, sei daran erinnert, dass sich der Beginn des erwähnten Krieges im kommenden Jahr zum 400. Mal jährt. Kehlmann ist keineswegs der Einzige, der sich mit ihm beschäftigt hat. In deutschen Verlagen kommen jetzt Bücher von Politologen und Historikern heraus, die dem epochalen Ereignis jeweils viele Hundert, stellenweise über tausend Seiten widmen - dem Ereignis übrigens, das bis zu dem Punkt, als der jüngste Weltkrieg leider alles Bisherige an Schlachten, Töten und Verwüstungen in einen düsteren Schatten stellte, als trauriger Höhepunkt diesbezüglich galt.

Daran lässt sich mit guten Gründen erinnern - und sei es (nur) der historischen Bildung wegen. Apropos Erinnerung: Es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass sich leichter und dauerhafter merken lässt, was auf gedrucktem Papier (bestenfalls auf hochwertigem und zwischen Buchdeckeln) zu lesen steht. Wir nutzen die Gelegenheit, um auch daran noch zu erinnern. (Thomas Groß)