Zeitzeichen

Chinas Säcke

Um Unwichtiges überhaupt oder nur geringes persönliches Interesse an einer Sache auszudrücken, kennt man seit langem eine Redewendung: Es sei so wichtig – oder gleichgültig – wie ein Sack Reis, der in China umfällt. Dem widerspricht der Publizist Theo Sommer vehement. Um auf sein Ende Januar erscheinendes Buch „China First“ hinzuweisen, zitiert ihn der Verlag C.H. Beck mit den Worten: „Wenn heute in China ein Sack Reis umfällt, bebt die Erde.“ Das ist gewiss übertrieben, kann aber als rhetorisches Mittel gelten, um die Bedeutung chinesischer Belange für die gesamte Welt zu unterstreichen. Denn darum geht es Sommer in seinem Buch.

Die jetzt erfolgte Landung einer chinesischen Raumsonde auf der Rückseite des Mondes hat indes auch ohne Sommers Zutun Aufmerksamkeit erregt. Berichte darüber vermerkten, die Sonde habe Saatgut an Bord, um vor Ort den Anbau von Gemüse zu erproben. Vereinzelt wurden weitere Details genannt; es soll dabei auch um Kartoffeln gehen. Das muss nun nicht gleich ein Erdbeben zur Folge haben. Dass aber besonders diese nahrhafte Knolle für eine weiter wachsende Weltbevölkerung von sättigender Bedeutung ist, leuchtet ein. Auch die Möglichkeit, daraus Wodka zu gewinnen, könnte noch eine Rolle spielen – wenn China etwa beabsichtigen sollte, wieder mehr Nähe zu Russland zu suchen, wo das Getränk bekanntlich recht gefragt ist. Kartoffeln (oder anderes Gemüse) vom Mond wird vielleicht demnächst hohe Attraktivität entfalten. Klar dürfte jedenfalls sein: Ein in China umstürzender Sack wird andernorts künftig aufmerksamer registriert werden, wenn sich darin Kartoffeln befinden. Thomas Groß