Zeitzeichen

Danke, DSGVO

Archivartikel

Wer unter chronischer Langeweile leidet, dürfte die Buchstaben DSGVO zuletzt lieben gelernt haben. Sie stehen für die am Freitag in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung. Und bringt einen Mailverkehr hervor, der vielen Menschen tagelang Beschäftigung bietet. Manchmal reicht ein Klick, damit zum Beispiel Pressestellen weiterhin Journalisten informieren dürfen. Mitunter muss man haufenweise Daten neu eingeben oder seitenweise juristische Traktate wälzen, um weiterhin von der eigenen Bank auf dem Laufenden gehalten zu werden. Die Absender sichern sich aus gutem Grund ab: Denn dem Vernehmen nach stehen findige Anwaltskanzleien längst Gewehr bei Fuß, um jede ungefragte Kontaktaufnahme per Abmahnung kostspielig abzustrafen. Eine der Folgen: Die Erzdiözese Freiburg sagt Livestreams von Gottesdiensten aus Datenschutzgründen ab.

Natürlich, Daten sind ein hohes Gut, eigentlich fast schon eine neue Währung, mit der wir alle oft zu leichtfertig umgehen und für fünf Euro Rabatt beim Online-Kaufhaus alles rausgeben. Aus heutiger Sicht müsste man eigentlich die Leute noch nachträglich mit harter Kerkerhaft bestrafen, die früher millionenfach sensible Adressdaten einfach so haben rumliegen lassen, in ihren Ämtern und gläsernenen Zellen: die Post und die Telefonbuchverlage. Jörg-Peter Klotz