Zeitzeichen

Die Uhr tickt

Kinder, wie die Zeit vergeht.“ Wer hätte diesen Stoßseufzer effektvoller ins Bild setzen können als Salvador Dalí: „Die Beständigkeit der Erinnerung“ nannte er seine Allegorie der verrinnenden Zeit. Uhren tropfen von Tischen, Ästen. Die Stunden fließen dahin, nichts hält sie auf. Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding, heißt es denn auch bei Hugo von Hofmansthal, der damit freilich nicht unbedingt sagen wollte, dass sie mal schneller, mal langsamer vorankommt. Etwa so, wie in unseren Tagen, da uns bald die nächste so genannte Zeitumstellung bevorsteht. Das geht ganz fix: Am Monatsende stehlen uns die Mächtigen dieses Landes wieder mal eine Stunde unserer kostbaren Bettruhe: Wir wachen, wie wir glauben, zu beinahe nachtschlafener Stunde am Sonntagmorgen auf – und müssten doch eiligst in die Puschen kommen, um das Morgenrot am Horizont nicht zu verpassen.

So um eine Stunde geprellt, hat die Sache bei näherem Hinsehen aber auch ihr Gutes: Wir erinnern uns an Franz Schubert und seine Vertonung des Uhland-Textes „Frühlingsglaube“. Dem darin aufscheinenden Optimismus können wir nun tatsächlich etwas Positives abgewinnen. Dem Monat Mai jetzt zeitlich eine Stunde näher als astronomisch vorgesehen, fiebern wir mit Texter und Komponist erwartungsvoll großen Veränderungen entgegen. Wie heißt es da doch gleich? „Die Welt wird schöner mit jedem Tag. Man weiß nicht, was noch werden mag. Das Blühen will nicht enden (…) Nun muss sich alles, alles wenden.“ Schön wär’s.