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Drecksgeschäft

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Es ist eine muntere Müllreise. Der Abfall wird bei uns produziert, doch anstatt sich an Ort und Stelle um seine Entsorgung zu kümmern, verschiffen wir ihn um die halbe Welt und verschaffen uns so ein gutes Gewissen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Dass Recycling offensichtlich auch den Verkauf von Müll an andere Länder einschließt, allen voran billige Plastikabfälle, die sich nicht wiederverwerten lassen, wurde vielen erst bewusst, als die Deponie Nummer eins, China, vor anderthalb Jahren einen Importstopp verhängte.

Deutschland – und andere Länder wie die USA und Japan – mussten sich also neue Entsorgungsstellen suchen und wurden in Malaysia, Indien, Indonesien sowie den Philippinen fündig. Nur: Diese nicht gerade reichen Länder sind schon mit der eigenen Müllentsorgung teils völlig überfordert. Selbst hochwertiges Plastik landet dort auf Müllhalden, die überdies kaum gesichert sind und beim nächsten Sturm drohen, etwa ins Meer oder in Flüsse abzurutschen.

Inzwischen dämmert der Region aber, dass sie etwas tun muss, um nicht zur Müllhalde der Welt zu verkommen. So hat Malaysia angekündigt, insgesamt 4000 Tonnen Müll in die Herkunftsländer zurückzuschicken. Kanada wiederum hat nach monatelangem Streit mit den Philippinen eingelenkt und nimmt nun 100 Container seines Mülls zurück. Dieser war als Plastikmüll deklariert, enthielt aber auch Altpapier und gebrauchte Windeln.