Zeitzeichen

Ein Tänzchen

Archivartikel

Gut gemeint mag eine Sache sein, ob sie auch gut gemacht sei, das sei noch etwas Anderes. So heißt es oft und immer wieder auch mit Recht, wenngleich Außenstehende in solchen Dinge immer leicht reden haben. Denn sich regelmäßig auch in ungewohnten Situationen bewähren zu müssen, das ist oft gar nicht so leicht, wovon nicht zuletzt Politiker ein persönliches Liedchen singen können. Die Bundeskanzlerin wird zuweilen in TV-Satiresendungen gezeigt, wie sie einen Kindergarten besucht und mit den Kleinen händeklatschend im Kreis steht. Die Vorstellung ist, na ja, durchschnittlich – aber muss man gleich darüber spotten?

Auch an den ewigen Prinz Charles lässt sich denken: Dokumentationen über ihn zeigen oft eine Szene, in der er als junger Mann sehr ausgelassen tanzt; der Kommentar dazu lautet zumeist spöttisch, der britische Thronfolger habe lange gebraucht, bis er in seine offizielle Rolle gefunden habe. Überhaupt das Tanzen – als ob es jedermann und jederfrau ganz leicht und maßvoll gelänge! Das so vieles sehende und wenig vergessende weltweite Netz spottet nun über die britische Premierministerin Theresa May, weil sie recht unbeholfen mit Grundschülern in Südafrika getanzt habe. Zugegeben, vielleicht hätte sie besser bedenken sollen, wie beweglich sie (noch) ist. Ihr aber jetzt, wie die Deutsche PresseAgentur berichtet, vorzuhalten, sie bewege sich wie ein Roboter oder gar „ Mick Jagger nach einem Schlaganfall“, das geht, finden wir, etwas zu weit. Thomas Groß