Zeitzeichen

Englische Stoßgebete

Archivartikel

Die Kommunikation im Internet leistet der Verknappung von Sprache durchaus Vorschub. Mittlerweile kann man sogar eine Anrufung Gottes abkürzen: Wem „O mein Gott“ oder die englische Version „O my god“ zu lang ist, kann das Stoßgebet mit einem schnittigen „OMG“ abkürzen.

Ein gewisser US-amerikanischer Einfluss lässt sich in der Formulierung „ich bete zu Gott“ erkennen. Auch wenn jeder selbst wählen kann, an was er glaubt (oder nicht), reicht im Deutschen „ich bete“ aus, um klarzumachen, um wen es sich bei dem Angerufenen handelt – und zwar nicht um den schnöden Mammon oder Mario, den Fußballgötzen.

Statt „Jesses, Maria und Josef“ ist zunehmend der Ausruf „Jesus Christ“ (bitte „Tschises Kreist“ aussprechen) zu hören. Tschises, ja wo kreist er denn? Fronleichnam ist ein christliches Hochfest und kein jesuitischer Kreistag!

Auch wenn man bei Amerikanern keine Kenntnis des Mittelhochdeutschen voraussetzen kann – „fron“ steht für „Herr“ und „lichnam“ für den Leib Christi, wie er im Abendmahl gegenwärtig wird – so ist die Übersetzung „Happy Cadavers Day“ (Fröhlicher Kadavertag) doch ziemlich gewagt. Tschises!