Zeitzeichen

Erste Reihe?

Archivartikel

Wer aufs Fernsehen schimpft, hofft nicht auf Originalitätspreise. Gerade die Damen und Herren jener Sender, bei denen man angeblich in Reihe eins sitzt, verdienen freilich genaueres Hinsehen. Schließlich finanzieren alle das Programm mit Gebühren, die sich auf immerhin acht Milliarden Euro jährlich belaufen. Daran erinnert sei deshalb jetzt, weil ARD und ZDF wieder ihren neuen Finanzbedarf anmelden.

Zwei Meldungen von Donnerstag verbreiten immerhin Lust aufs Programm. Mit Sven-Eric Bechtolf und Edgar Selge in den Hauptrollen will die ARD (wieder) großes zeitgeschichtliches TV produzieren – über den einflussreichen Krupp-Manager Berthold Beitz. Dass Regisseur Andreas Eckert den nächsten „Tatort“ aus München inszeniert hat, der am 26. Mai läuft, lässt ebenfalls hoffen – zumal die letzten beiden Folgen der Krimiserie im obersten Qualitätsviertel rangierten.

Da mag man fast darüber hinwegsehen, dass zur besten Sendezeit auch mal herkömmliche Spiele der Fußball-Bundesliga übertragen werden. Angekreidet sei aber die jüngste Merkwürdigkeit in Sachen Deutscher Filmpreis. Die aufgezeichnete Verleihung, die um 17.30 Uhr begonnen hatte, nahm kurz vor 23 Uhr im ZDF ihren Anfang. Zuvor lief ganz normales Freitagabendprogramm: zweimal Krimi, „heute“, öde Satire. Und weder ZDF noch ARD kamen in Nachrichten-Sendungen auf die Verleihung zu sprechen (nicht mal in der Formulierung, das geschehe zur Stunde in Berlin). Heiligte der Zweck, denjenigen, die lange ausharrten, nicht die Spannung zu nehmen, solche Mittel? Und heißt das, liebes ZDF, in der ersten Reihe zu sitzen?