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Archivartikel

Deine Haare sind ganz grau, Franzisko“, sagt die Junggebliebene zu „Tatort“-Kommissar Leitmayr in der jüngsten Krimifolge. Es blieb uns in Erinnerung, weil sich zuvor, beim Treffen des Abiturjahrgangs, ebensolche Schlüsse ergeben hatten. Und wie später der TV-Ermittler trug auch da so mancher ein blaues Hemd, was zu Assoziationen einlädt. Als „Farbe der Ferne“ hat das Blau eine schöne Schau im Heidelberger Kunstverein charakterisiert, Tiefe verspricht es als Farbe des Meers. Die Romantik schwärmte von der Sehnsucht symbolisierenden blauen Blume, an die man auch mit Blick auf den wehmütig gestimmten Franz Leitmayr erinnern darf. Zudem ist die Farbe neuerdings in Speiseeis gegenwärtig oder dient zur Charakterisierung von Menschen, die sich nach anderem, nämlich geistigem Getränk, verzehren.

Selbst blaue Haare sieht man jetzt – unter der Mütze des jungen Mannes, der sich Rezo nennt, auf Youtube mit der CDU abrechnet und der so angeblich für eine Politisierung der noch nicht Angegrauten sorgt. Differenziert geht es da weniger zu, eher könnte mit Blick auf jüngste Wahlen die einfache Gleichung gelten: Wer auf Blau steht, wählt Grün. Schwarz sehen muss man deshalb wohl so wenig wie rot. Dies gerät, jedenfalls politisch, anscheinend ohnedies aus der Mode.