Zeitzeichen

Ganz genau

Archivartikel

Jeder kennt solche Menschen: Zeitgenossen, die alles ganz genau wissen wollen – und anderen damit auf die Nerven gehen. Bei Kindern hat man noch am ehesten Verständnis; da ist die ewige Warum-Frage zwar für die Mitwelt anstrengend, aber sicher wichtig für alles, was aus ihnen noch werden kann. Ansonsten fährt man gut mit der Regel, dass das Leben leichter fällt, wenn man, wie es so schön heißt, fünf auch mal gerade sein lässt. Doch manche bekommen das einfach nicht hin. Das Deutsche Museum in München hat eine Mitteilung verbreitet, in der von Menschen die Rede ist, die nun eine wahre Katastrophe erleben mussten.

Sie, für die Messen und Maße von enormer Bedeutung sind, mussten nämlich hinnehmen, dass das Referenzmaß des Kilogramms – ein seit 1889 in einem Tresor bei Paris aufbewahrter Zylinder aus einer Platin-Iridium-Legierung – etwa 50 Mikrogramm an Gewicht verloren hat. Mon Dieu, das entspricht dem Gewicht eines Salzkorns! Da musste natürlich Abhilfe geschaffen werden, weswegen unter Beteiligung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig eine neue Definition formuliert worden ist: Eine gewisse Anzahl von Silizium-Atomen und noch weitere komplizierte Faktoren legen nun fest, was ein Kilogramm ist.

Gottlob ändert das nichts für Otto Normalverbraucher. Für ihn bleibt ein Kilo Kartoffeln ein Kilo Kartoffeln, und Äpfel vergleicht er, wenn er gut beraten ist, nicht mit Birnen. Im Übrigen kann er aber froh sein, dass er nicht früher lebt, als noch mit höchst variablen Maßen wie Elle oder Fuß gemessen wurde.