Zeitzeichen

Gebotene Kürze

Fasse dich kurz, hieß es früher an Telefonzellen. Das mahnte zur Rücksichtnahme, damit Wartenden vor den Kabinen die Zeit nicht zu lang wurde. Heute gibt es kaum noch öffentliche Telefone, aber sich kurz zu fassen wurde erst recht zum Gebot. Auch individuelle Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer. Also sei in der gebotenen Kürze eine Sache vorgetragen, für die man eigentlich langen Atem braucht. Es geht um Weltliteratur, also jüngere oder ältere Bücher von internationaler Geltung. Kritiker Denis Scheck stellt „die 100 wichtigsten Werke“ jetzt in einem einzigen Buch vor. Er weiß um die Kurzweilbedürfnisse, nennt auch Comics und Cartoons wie „Tim und Struppi“ oder „Peanuts“. Dass Homer und Cervantes dabei sind, ist schlicht der Bedeutung geschuldet. „Zeitgemäß“ nennt der Verlag das Buch. Bemerkenswerterweise führt es auch Arno Schmidts eher unzeitgemäßen, buchstäblich gewichtigen „Zettels Traum“ auf. Wer sich nicht darauf einlassen will, liest nur Schecks Ausführungen dazu. Wir vermuten (oder befürchten), dass das in diesem wie anderen Fällen durchaus öfter so sein wird.