Zeitzeichen

Globale Kehrwoche

Wer im Dunstkreis der Schwäbischen Alb groß und dort auch noch einigermaßen sozialisiert wurde, dem ist Eberhard I. beziehungsweise Eberhard im Bart ein Begriff von Kindes Beinen an.

Er soll ein ziemlicher Frauenheld gewesen sein, gründete die Universität Tübingen, residierte in Urach – wo später übrigens auch der bestens bekannte Cem Özdemir zur Schule ging – und verleibte sich im späten 15. Jahrhundert das aufstrebende „Stuagert“, vulgo Stuttgart, ein. Die Stadt gefiel ihm, aber der Dreck, der Unrat und die Fäkalien auf den Straßen, all das stank dem württembergischen Herzog gewaltig, der deshalb 1492 einen Erlass zur schwäbischen Sauberkeit veröffentlichte: Die „Kehrwoche“ wurde eingeführt, in der es hieß, „jeder soll seinen Mist alle Wochen hinausführen“. Aber wohin? In das klägliche Rinnsal Nesenbach?

Wie dem auch sei, jetzt war die Kehrwoche nun mal in der Welt und sie blieb es bis 1988, als Stuttgarter Juristen sie abschafften und für überflüssig erklärten. Nur noch bei erkennbarem Bedarf seien Reinigungen vor der eigenen Tür geboten, hieß es. Das hieß freilich nicht, dass nun der Verwahrlosung des privaten oder öffentlichen Raumes Tür und Tor geöffnet wurden.

Denn ehe die Juristen mit ihrer Kassation, also der Aufhebung des Gerichtsurteils, den Saubermännern den Besen aus der Hand nahmen, kümmerten sich landauf, landab längst Jung und Alt, Privatiers und Politiker, Verbände und Vereine um das gepflegte Äußere von Wald und Wiesen, Feld und Flur: In unzähligen Aktionen wird inzwischen um saubere Toiletten oder Taschentücher, um piekfeine Veranden und Vorgärten gekämpft. Es erblühten Wettbewerbe unter dem Motto „Unser Dorf soll schöner werden“.

Und dabei blieb es nicht: Mittlerweile wird weltweit um Sauberkeit, um eine intakte Natur und überzeugende Nachhaltigkeit gerungen. Jüngstes Ergebnis all dieser den Globus umspannenden Anstrengungen: Morgen, am 15. September feiern Hunderttausende in mehr als 150 Ländern den Weltputztag, der von Eingeweihten unter dem klingenden Namen „Worldcleanupday“ auf Hochglanz poliert wird. Harald Sawatzki