Zeitzeichen

Grau(en)

Archivartikel

Dass es inzwischen auch Gartensatire gibt, hatten wir schon einmal erwähnt. Zur Erinnerung, falls Sie das Phänomen längst verdrängt haben: Sie beschäftigt sich mit privaten Grundstücken, die sich in „öde Kies- und Steinwüsten“ verwandeln, in „Gärten des Grauens“ also. Auf der gleichnamigen Webseite im sozialen Netzwerk Facebook und auf der Fotoplattform Instagram postet der Berliner Biologe und Künstler Ulf Soltau Bilder von geschmacklos angelegten Vorgärten: vom Schottermeer vor nichtssagenden Neubauten, von Pflanzbetonringen und Mauersteinkörben. Soltau, der die Bilder von „Verbündeten“ deutschlandweit zugesandt bekommt, geht es aber in erster Linie gar nicht um Geschmacksfragen, sondern um die Nachteile der Schottergärten für die Umwelt: etwa ihren (schlechten!) Einfluss auf das Stadtklima und den fehlenden Lebensraum für Singvögel und Insekten.

Trotz all der bedrückenden Fotos haben die allein bei Instagram fast 30 000 Abonnenten aber einiges zu lachen – dank der ironischen Kommentare, mit denen Soltau die „Bilder des Grauens“ versieht. Einer unserer Favoriten beschreibt ein Foto, auf dem neben dem tristen Grau das Grün der Nachbarfläche besonders satt leuchtet: „Und während der kleine Valentin (9) mit ganzem Körpereinsatz fröhliche Kies-Engel in den elterlichen Schottergarten malt, muss Linus (11) von nebenan schon wieder Rasen mähen.“