Zeitzeichen

Gurken statt Kultur

Archivartikel

In Brüssel arbeiten nur viele hoch bezahlte Beamte, welche sich in ihrer Regulierungswut mit der richtigen Krümmung von Gurken befassen und uns die schönen, alten Glühbirnen weggenommen haben. Das ist ein Vorurteil, falsch und ungerechtfertigt. Wenn überzeugte Europäer gegen den Mythos von der EU als teurem Regulierungsmonster und rein technokratischen Wirtschaftsverbund ankämpfen, dann gerne mit dem Argument, die EU sei schließlich eine Wertegemeinschaft auf der Basis unserer abendländischen Kultur.

Doch plötzlich scheint das alles nicht mehr zu gelten. Einerseits hat die künftige EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zwar dem für Migration zuständigen Kommissar die Zuständigkeit für den „Schutz der europäischen Lebensweise“ verpasst. Kultur kommt im 27-köpfigen Kabinett der früheren Verteidigungsministerin aber nicht mehr vor. Den bisherigen Kommissar für Bildung und Kultur wird es – nach über 20 Jahren – nicht mehr geben. Die dafür zuständige Kommission heißt nur „Innovation und Jugend“. Sie soll das Thema „mitverwalten“. Öffentlich wahrnehmbar wird es dadurch nicht sein – es droht, unter den Tisch zu fallen.

Das ist das völlig falsche Signal. Damit gerät Europa als Wertegemeinschaft ins Hintertreffen. Begeisterung schaffen, eine gemeinsame Identität kann man so nicht. Nur Gurken normieren. Aber das ist zu wenig, viel zu wenig.