Zeitzeichen

Humorvoll

Archivartikel

Womöglich ist der Humor für viele eine Zutat, die bereichern kann, ohne selbst unabdingbar zu sein. Nehmen wir ein paar kuriose Sketche einer britischen Komikertruppe – etwa die Geschichte über groteske Gehformen, um die sich angeblich ein britisches Ministerium kümmert; oder ein Fußballspiel einer griechischen und einer deutschen Mannschaft, deren Spieler berühmte Philosophen sind, mit dem chinesischen Schiedsrichter Konfuzius – wobei die Spieler meistens sinnieren, statt sich um den Ball zu kümmern. Nicht sehr komisch? Da könnte der Spruch weiterhelfen, Humor sei, wenn man trotzdem lacht – falls man Humor nicht für entbehrlich hält.

Ein Mitbegründer der mit solchen Sketchen berühmt gewordenen Gruppe Monty Python, Terry Gilliam, hat auch Spielfilme realisiert – höchst skurrile, versteht sich, wie „Brazil“. Nun hat er ein langjähriges Projekt über die Figur des Don Quijote zu Ende gebracht, das ihm derart viele Probleme bereitet hat, dass er sich beinahe selbst als Don Quijote erwiesen hätte – als ein verspäteter Ritter also, dessen Grundproblem darin besteht, nicht (mehr) zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden zu können, und der deshalb scheitert. Don Quijote ist von edler Gesinnung, landet aber immer wieder unsanft auf dem Boden der stumpfen Wirklichkeit. Nicht eigentlich komisch ist diese Gestalt aus dem wohl überhaupt wichtigsten, einflussreichsten Roman. Tragikomisch ist sie vielmehr.

Aber so oder so kommt der Humor hier nicht zu kurz. Gilliam hat jetzt in einem Interview betont, wie wichtig er ihm ist – wenn der Humor nicht mehr lebendig sei, sterbe auch die Zivilisation. Blickt man auf die aktuelle Lage, muss man vieles daran nicht komisch finden. Nimmt man es dennoch mit Humor, entgeht man eher der Gefahr, an der Realität zu verzweifeln – und zwar dadurch, dass man trotzdem lacht. Thomas Groß