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Jubiläen

Archivartikel

Viel hilft viel, lautet ein geflügeltes Wort, das womöglich öfter zitiert wird, als es der Anlass nahelegt. Zudem wirkt sein Gehalt per se strittig, wie jene dem Wort entgegengesetzte, nicht nur von Ärzten gern zitierte Formulierung des Paracelsus zeigt, wonach die Dosis das Gift macht. Da würde (zu) viel gerade nicht (mehr) helfen. Nun wäre die Frage, ob und wie das für Jubiläen und Gedenktage Geltung hat – eine durchaus aktuelle Frage, ist dieses Jahr außer an Beethoven doch auch an Hölderlin, Hegel und Paul Celan zu erinnern, die alle runde Geburtstage feiern, wenngleich sie es längst nicht mehr buchstäblich können.

Anders formuliert: Wer jubiliert mit angesichts der Jubiläen? Noch anders: Was nutzt es dem Werk, wenn es so viele Veranstaltungen gibt? Vielleicht hat am Ende des Beethoven-Jahres jemand so viel über ihn und von ihm gehört, dass er mit ihm nichts mehr anfangen kann – oder von Hölderlin und Celan gehört, statt sie endlich auch zu lesen. Während wir hier über Dosierungen und Bekömmlichkeiten sinnieren, lesen wir das: „Festprogramm zum 100. Geburtstag – NRW feiert Beuys“. Ein großes Jubiläumsprogramm will das Bundesland laut Deutscher Presse-Agentur aufbieten.

Ob’s viel hilft? Was die Aktivitäten von allein in Nordrhein-Westfalen 20 Museen bewirken werden für die Auseinandersetzung mit dem Werk des 1986 verstorbenen Aktionskünstlers, ist immerhin nicht sofort zu bewerten. Beuys würde erst 2021 100 Jahre alt. Aber bis dahin ist ja genügend Anderes zu be- und seiner zu gedenken.