Zeitzeichen

Klar zum Start?

Jedem Anfang wohne ein Zauber inne, heißt es bei Hermann Hesse so schön. Gilt das auch für jeden Beginn? Unser eigenes Sprachgefühl lässt da nicht viel Widerwillen erkennen. Wie aber steht es um „jeden Start“? Nicht so gut, statt zauberhaft luftig klingt das nüchterner, irdischer und viel weniger atmosphärisch. Muss ja kein Problem sein, schließlich ist die Sprache zunächst nur dazu da, um sich (oder etwas) mitzuteilen. Aber dass heute alles Mögliche „startet“, statt einfach anzufangen oder zu beginnen, das kann einem schon auffallen – und ebenso, dass (mal wieder) der Sprachgebrauch der Medien diesen Trend, wenn man denn davon sprechen will, jedenfalls nicht zu bremsen geneigt ist.

Natürlich hieß es auch oft, die Fußball-Weltmeisterschaft „starte“, als sie Mitte Juni ihren Anfang nahm. Ob es daran liegt, weil das irgendwie so dynamisch klingt? Das von den Gebrüdern Grimm begründete „Deutsche Wörterbuch“ verzeichnet das aus dem Englischen stammende Verb übrigens noch nicht, im „Duden“ aber steht es ganz selbstverständlich. Man findet es nicht nur in neuen deutschen Texten. Heutzutage aber scheint es überhand zu nehmen. Und dabei ist die Weltmeisterschaft gewiss nicht der bedenklichste Fall, denn hier geht es ja um Wettkampf und also um den Wortgebrauch, den der Internet-Duden in seiner Bedeutungsübersicht an den Anfang setzt. Soll uns nun alles wie eine (sportliche) Konkurrenz erscheinen? Messen, Parteitage, Kulturfestivals etc.? Lieber nicht. Um Wettbewerb geht es heute doch ohnehin schon viel zu oft, und zauberhaft wirkt das längst nicht immer. Bleibt entspannt, Leute, beginnt oder fangt an, aber rennt nicht gleich los! Und tut nicht so, als ob es stets darum ginge, die oder der Beste zu sein! Thomas Groß