Zeitzeichen

Klimawandel

Archivartikel

Wir steinalten Mitbürger, die von den Medien so schön wie erfolglos mit „Best Ager“ (was in etwa „Person im besten Alter“ bedeuten soll) schöngeredet werden, hatten ja bei den ersten Anzeichen des Klimawandels noch die ein wenig schadenfrohe Überzeugung, dass es uns ja nicht mehr treffen wird. Wir dachten zwar mit einiger Empathie an unsere Kinder und Enkel, wie die wohl damit zurechtkommen würden, dass es vielleicht jedes Jahr um ein, zwei Grad wärmer werden könnte oder dass die Niederlande bald unter Wasser stehen. Kurz – es ging uns ja eigentlich nichts mehr an.

Ich glaube, wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass sich die ganze Sache in gespenstischer Weise beschleunigt. Die Temperaturen, unter denen wir in diesem Mai gelitten haben, hatten wir früher allenfalls im August. Und die Sache mit den Starkregen-Katastrophen, die sich manchmal auf eine einzige Gemeinde beschränken, während vier Kilometer weiter alles trocken bleibt, stimmt uns auch nicht allzu fröhlich.

Heute Nacht hat es auch uns getroffen. Der Sturm heulte ums Haus wie in einem Horrorfilm, und als der armdicke Holzmast des riesigen Sonnenschirms, der tief in einer Metallhülse im Rasen steckte, mit einem gewaltigen Krachen durchbrach, da war klar: Wir sind schon mittendrin in der Klimakatastrophe. Und die Niederländer sollten den Wohnwagen-Exodus Richtung Süden nicht mehr allzu lange aufschieben. Waltraud Brunst