Zeitzeichen

Kult-Rebell

Marx, Marx ruft‘s seit Wochen aus dem Blätterwald. Und so ziemlich jede Buchhandlung hat einen Tisch mit Neuerscheinungen zum 200. Geburtstag des Sozialökonomen drapiert. Wenn das nicht inspiriert, sich jene Aphorismen in Erinnerung zu rufen, die frühere Berühmtheiten über den Revolutionär formuliert haben. Beispielsweise machte ein anderer Visionär aus Leidenschaft, der Science-Fiction-Pionier Stanislaw Lem, als „Tragik“ aus, dass es nicht möglich war, „die Theorien von Karl Marx zuerst an Mäusen auszuprobieren“. Auch im aktuellen Jubi-Jahr dürfte der Befund des legendären Psychoanalytikers Erich Fromm zutreffen, dass „Marx viel zitiert, aber wenig verstanden wird“. Dass der Weltverbesserer seinerseits wenig verstanden hat, wenn es um seine familiäre Welt ging, ließ den Dramatiker Jean Anouilh spotten: „Liebe – auch so ein Problem, das Marx nicht gelöst hat“.

Was der wortgewaltige Gesellschaftskritiker wohl zu den posthumen Sentenzen über ihn sagen würde? Vermutlich Unerwartetes, schließlich schätzte er verblüffende Aussagen – wie die: „Alles was ich weiß, ist, daß ich kein Marxist bin.“ Da fällt einem glatt der Kalenderspruch ein, dass selbst eine geniale Idee oft daran scheitert, dass nicht einmal der, der sie hat, daran glaubt. Aber mit Glauben hatte es Marx ohnehin nicht. Gedanken waren sein Kapital, aus dem er schöpfte – freilich kein Geld. Dass sich solches mit ihm als vermarktetem Rauschebartträger ganz kapitalistisch verdienen lässt – ob als Gipsbüste, rote (Tisch-)Skulptur oder Keksausstecher – da dürfte Karl Marx staunen.