Zeitzeichen

Kunststücke

Rembrandts berühmte „Nachtwache“ wird, wie an dieser Stelle berichtet, detailliert untersucht und restauriert. Ob dabei auch Unvorhergesehenes und bislang Übersehenes auf dem riesigen Gemälde zutage treten wird? Im „Brieflesenden Mädchen am Fenster“ des Rembrandt-Zeitgenossen Jan Vermeer hat sich kürzlich erst im Zuge der Restaurierung gezeigt, dass ein nackter Liebesgott am Bildrand nicht vom Meister selbst, den man für einen züchtigen Mann zu halten gewohnt war, übermalt worden war. Erst später hat jemand die Figur übertüncht, und das verleiht Vermeer (und dem „Mädchen“) geradewegs einen frivolen Anschein. Dagegen bleibt ein berühmtes (angebliches) Detail Vermeers weiterhin unentdeckt. In Marcel Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist von einem Schriftsteller namens Bergotte die Rede, der angesichts eines „kleinen gelben Mauerstücks“ von Vermeers Hand sein Scheitern erkennt. Er hätte so schreiben müssen, wie Vermeer gemalt hat, weiß er mit einem Mal, als er dessen „Ansicht von Delft“ in einer Ausstellung in Paris betrachtet. Doch auf der Stadtansicht ist jenes Mauerstück kaum zu identifizieren. Und Rembrandt? Warten wir ab, was die Restauratoren finden werden.

Das Gesicht des Künstlers selbst wie auch das seiner Frau sind auf dem Gemälde längst entdeckt worden. Sollte sich nichts weiter ergeben, wäre das auch nicht schlimm. Sein eigentliches Geheimnis behält das Gemälde ohnehin: Es besteht schlicht darin, dass es sich hier um große, bis heute faszinierende Kunst handelt.