Zeitzeichen

Lisbeth, Lina und das Sushi

Wir hören Platten, die uns gefallen, gerne so lange immer wieder rauf und runter, bis es unser in der Regel äußerst toleranter Mitbewohner nicht mehr ertragen kann. Im Moment ist es – in Vorbereitung auf das schöne Odenwald-Musikfestival „Sound of the Forest“ (2. bis 5. August) – das Album der Berliner Indie-Pop-Band Von wegen Lisbeth.

Besonders angetan hat es uns das Lied „Sushi“. Weil man zu seiner fröhlichen Melodie so schön durch die Küche tanzen kann. Aber auch, weil wir uns im Songtext wiederfinden. „Lina“, heißt es dort, „ich will dein Sushi gar nicht sehen. Warum ist dein Leben so prima? Und du immer so wunderwunderschön?“ Es geht – man ahnt es schon – um die Fotoplattform Instagram. Um ein perfekt in Szene gesetztes Leben, um Kalkstein-Kulissen und bis ins kleinste Detail ausgefeilte Fotos von Füßen im Meerwasser, in teuren Turnschuhen oder von New Yorker Taxis. #lovemylife – ich liebe mein Leben.

Jetzt haben wir also den Soundtrack zum abendlichen Instagram-Check. Endlich gibt es einen Ohrwurm für Tage, an denen wir uns darüber wundern, wie viel Energie Menschen dafür aufbringen, ihr Leben im Internet so perfekt aussehen zu lassen. In der „Sushi“-Songzeile, in der wir selbst uns – inmitten der harten analogen Wirklichkeit – wiederfinden, geht es immerhin auch ums Kochen: „Doch stell dir vor, ich kann’s kaum fassen, ich hab’ heute Nudelwasser überlaufen lassen.“ Anne-Kathrin Jeschke