Zeitzeichen

Literatur ganz ohne Koffein

Die anderen Kategorien sind vergeben, gestern, am Buchmessen-Donnerstag, wäre normalerweise noch die Bekanntgabe des letzten Nobelpreisträgers erfolgt – desjenigen für Literatur. Aber wegen gewisser Zwistigkeiten und Rücktritte in der Schwedischen Akademie .... Warum die Nobelweihen an einer wichtigen Entdeckung vorbeigehen, kann man sich nun erneut fragen. Ist das Kaffeetrinken nicht weit verbreitet, und gibt es nicht zahllose Menschen, deren Nachtruhe durch zu viel Koffein, wie es sich in Kaffee findet, beeinträchtigt wird? Koffeinfreier Kaffee hat schon vielen zu ungestörtem Schlaf verholfen (der Autor nimmt sich da nicht aus); die gesundheitsschonende Wirkung sollte also außer Frage stehen. Dass die Erfinder des (genießbaren) entkoffeinierten Getränks – der Kaffee-Hag Gründer Ludwig Roselius und Kurt Zosel – tot sind, muss die Ehrung vielleicht auch nicht für immer verhindern.

Wie wäre es im nächsten Jahr mit dem womöglich doppelt vergebenen Literaturpreis? Voraussetzung wäre, dass man dem Beispiel zweier Künstler folgt, die sagten, jeder sei ein Künstler und alles Kunst – so wäre auch alles Literatur. Die Buchmesse ließe sich ebenso ins Spiel bringen. Kann es Zufall sein, dass sie sich und ihre Produkte mit dem Motto „beyond words“ bewirbt? Buchstäblich „jenseits der Wörter“ bewegt sich auch unser Getränk – und „unbeschreiblich“ (wohltuend) ist es auch. Thomas Groß