Zeitzeichen

Meint Ernst das ernst?

Archivartikel

Bisher war es eine durchaus charmante filmische Utopie, jetzt scheint es Ernst zu werden: Die bisher nicht sonderlich auffälligen Regisseure Anton Ernst (!) und Tati Golykh haben angekündigt, mit Hilfe computergenerierter Bilder die 1955 gestorbene Hollywood-Ikone James Dean für die Leinwand wieder auferstehen zu lassen. Wer sich nun vorstellt, der nach nur drei Filmen legendäre Rebellen-Darsteller würde für eine hochidealistische Vorzeigerolle digital reanimiert, wird staunen: Das Duo, das bisher noch genau keine Regie-Arbeit fertiggestellt hat, sieht James Dean als Idealbesetzung für eine „komplexe“ Nebenrolle als Zugführer im Vietnamkrieg, der von einem heldenhaften Labrador namens Jack eine moralische Lektion fürs Leben bekommt. Vorlage ist Gareth Crockers nah am Kitsch gebauter Roman „Finding Jack“.

Da wäre es ja noch passender, Marvel würde die nächste „Avengers“-Reihe mit Audrey Hepburn als Hulk, Marilyn Monroe in der Rolle des blonden Donnergotts Thor, Charlie Chaplin hinter Captain Americas Schild, Humphrey Bogart als Sekretärin von Iron Man Tony Stark (Stan Laurel) und Heath Ledger als dessen Buchhalter planen.

Im Ernst: Wenn damit Geld zu verdienen ist, wird diese Form von „The Walking Dead“ irgendwann kommen – und ein paar Jahre später wahrscheinlich auch gut aussehen. Ob das dann Seele hat, wie sie Andy Serkis animierten Figuren wie Gollum („Herr der Ringe“) oder Cesar („Planet der Affen“) verleihen kann? Künstliche Intelligenz muss noch viel lernen, künstliche Empathie erst recht.