Zeitzeichen

Mit Humor

Archivartikel

Komiker liegt vorn“, lautete gestern eine Schlagzeile dieser Zeitung; anderswo hieß es: „Komiker vor Amtsinhaber“, und nur selten fand sich der Name des Bewerbers, Selenski, schon in der Überschrift der Beiträge über die ukrainische Präsidentenwahl. Für einen Scherz, es war ja der 1. April, werden die wenigsten die Nachricht gehalten haben; man ist von der heutigen Politik und ihren Akteuren schließlich einiges gewohnt. Nicht zuletzt die Italiener haben sich dabei hervorgetan, als sie der 5-Sterne-Bewegung des Komikers Beppe Grillo in ihr Parlament verhalfen. Da lässt sich auch leicht darüber hinwegsehen, dass die Bezeichnung „Komiker“ ein wenig zugespitzt daherkommt, ist Selenski (wie Grillo) doch auch als Schauspieler geläufig, was etwas seriöser klingt. Wie komisch die Sache noch werden kann, bleibt abzuwarten. Und was spricht dagegen, sich die Zeit bis dahin mit Humor zu vertreiben? Auch dafür gab es Beispiele am April-Anfang.

Die Kulturredaktion erreichte beispielsweise die „Nachricht“, dass bei der Gala (zum nicht mehr vergebenen) Musikpreis Echo die Toten Hosen in allen Kategorien gewonnen hätten. Und das Institut für Deutsche Sprache teilte mit, es werde Partner der „Europäischen Sprachwacht“; nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union solle diese Institution darauf achten, dass die als Anglizismen bekannten und gefürchteten englischen Wörter nicht unkontrolliert einwandern. Es versteht sich wohl von selbst, dass diese Wacht am Rhein ausfiele, sofern die Briten ihren Brexit doch noch abblasen sollten. Vielleicht sagen sie ja bald , es sei alles nicht so ernst gemeint gewesen. Thomas Groß