Zeitzeichen

Notfälle

Wir müssen an dieser Stelle unbedingt an Freddy Quinn erinnern, diesen Wahlhamburger aus dem vermutlich achten Wiener Bezirk. Wie melodiös hat er uns doch in den aufregenden Wirtschaftswunderjahren auf Reisen in fremde Länder mitgenommen. Wir waren mit ihm gesanglich auf Hawaii, am Südpol und in manch anderen, uns bis dahin unbekannten Ecken der Welt. Nur in menschenfeindliche Wüsteneien entführte er uns nicht, soweit wir uns erinnern. Das lag wohl daran, dass zu Freddys Hoch-Zeit in den 50er und 60er Jahren das tragbare Plastikfläschchen für den schnellen Durst noch nicht in Mode war.

Heute stillen sie alle ihren Durst im offenen Feld, auf der Straße oder gerne auch im Kino oder im Büro. Wie kommt es nur, dass wir fast überall von Beinahe-Verdurstenden umzingelt sind? Selbst Jogger, die eigentlich ihre überzähligen Körper-Wässerchen durch Transpiration verlieren möchten, vergessen den Nachschub nicht: In der Taille stecken die Fläschchen am Band um den Bauch und verhindern im Krisenfall den Joggertod durch Verdursten.

Aber nicht nur Läufer, auch Autofahrer sind mittlerweile ihres Lebens ohne Notfallfläschchen wohl nicht mehr sicher. Wie sonst wäre zu erklären, dass in den wüstenerprobten Großraum-Geländewagen (die sich zum Brötchenholen ebenso eignen wie für die Rallye Paris – Dakar) vorne beim Fahrer allzeit ein Fläschchen griffbereit in der Mittelkonsole geparkt wird? Das hängt sicher mit Freddy Quinn zusammen und mit unserem Jugend-Slogan: „Durst ist schlimmer als Heimweh.“