Zeitzeichen

Nur bezahlbar?

Archivartikel

Ungereimtes wird nicht besser, wenn es vielfach wiederholt wird. Man nehme etwa die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum, gegen deren lautere Absicht nichts zu sagen ist – soll heißen: Es ist nichts gegen dasjenige zu sagen, was hier wohl gemeint ist. Nur leider bezeichnet das nicht der Ausdruck. Alles, was zum Kauf angeboten wird oder eben zur Miete, ist nun mal bezahlbar, nämlich in Geld aufzuwiegen. Preisgünstig oder gar billig ist es freilich längst nicht immer. Das aber ist hier das Problem, um das sich die Forderungen drehen, die nicht zuletzt von Sozialdemokraten erhoben werden. Dass sie schlicht etwas Anderes sagen, als sie meinen – sie sagen ja nur, was sich eigentlich von selbst versteht –, sollten sich diese Zeitgenossen klar machen. Ein hiesiger Kommunalpolitiker ist da etwas weiter und kommt mit der Forderung „Bezahlbarer Wohnraum für alle“ dem Kern der Sache näher. Denn „alle“ umfasst eben auch Menschen mit schmalem Geldbeutel, die wirklich preisgünstige Wohnungen benötigen.

Man sollte eben sagen (können), was man tatsächlich meint – schon deshalb, weil man dann besser verstanden wird. Und vielleicht erntet man dann auch eher Zuspruch, wenn demnächst mal wieder politische Entscheidungen anstehen. Thomas Groß