Zeitzeichen

Nur wegen dir

Archivartikel

Wir machen uns ja schon berufsbedingt viele Gedanken über Sprache. Aber beim AnnenMayKantereit-Konzert in der Alten Feuerwache vergangene Woche waren wir doch etwas verwundert über einen hartnäckigen Zwischenrufer. Der Konzertbesucher wollte den Musikern aus Köln offensichtlich lauthals klarmachen, dass ihre Liedzeilen grammatikalisch streng genommen nicht ganz korrekt sind: „Und ich wach’ auf und ich bin wieder so glücklich – und alles nur wegen dir“, singt Frontmann Henning May. „Deinetwegen“, brüllte der Störer unermüdlich. Wir lesen später nach in der „Zwiebelfisch“-Kolumne, einer Sprachglosse von Autor Bastian Sick, und stoßen dort gleich auf weitere Musiktitel. „Wegen dir“, das sang Nicki 1986. Nicki aus Bayern, betont Sick. Dativ statt Genitiv? In Bayern, da dürfe man das. Im selben Jahr veröffentlichte Udo Jürgens (aus Österreich!) seine Platte „Deinetwegen“. Zur großen Freude von Sick: „So wurden die Radiohörer im deutschsprachigen Raum daran erinnert, dass man in Bayern ,wegen dir’ sagen kann, dass die richtige Form aber ,deinetwegen’ lautet.“ Nun ja, da sich Sprache bekanntlich wandelt, hat es auch „wegen mit Dativ“ längst in den Duden geschafft. „Ruhig Blut, lieber Konzertbesucher“, möchten wir ihm nachträglich lauthals zurufen: „Nur wegen dir können wir uns nicht auf das wirklich schöne Lied konzentrieren.“