Zeitzeichen

Orchesterfusion und die Folgen

Eigentlich liebe ich „meinen“ Sender, den SWR (früher SWF – und auch SDR), von dem ich einen Gutteil meiner soliden musikalischen Halbbildung bezogen habe. Auch wenn ich nicht nachvollziehen konnte, mit welcher Rigorosität er im letzten Jahrzehnt aus drei organisch gewachsenen Rundfunkorchestern (Stuttgart, Baden-Baden, Freiburg) erst zwei und dann eins – das SWR Symphonieorchester mit Sitz in Stuttgart – machte. Ich will gar nicht von den gesellschaftspolitischen Katastrophen für die herumgeschubsten Musiker reden: Umzug, Umschulung der Kinder, Hausverkauf, Verlust der Instrumentalschüler, der Freunde.

Ärgerlich ist, wie der SWR in den letzten Jahren den Zwitternamen „Symphonieorchester Baden-Baden und Freiburg“ auch jenen alten Aufnahmen überstülpte, als die Baden-Badener weltweites Renommee in Sachen zeitgenössischer Musik genossen. So haben die früheren Chefdirigenten Hans Rosbaud (verstorben 1962) und Ernest Bour (verstorben 2001) garantiert nicht ein Orchester mit dem Zusatz „…und Freiburg“ geleitet.

Genau der gleiche Unfug geschieht in Hamburg mit dem 2016 umgetauften „NDR Sinfonieorchester Elbphilharmonie“. Das erklingt immer mal wieder unter den ehemaligen Chefdirigenten Hans Schmidt-Isserstedt (1900-1973) und Günter Wand (1912-2002), obwohl bei deren Ableben von der Elbhilharmonie noch gar keine Rede war. Der Prachtbau wurde erst 2007 beschlossen. Waltraud Brunst