Zeitzeichen

Oscar-reif

Wenn Jahr für Jahr in Los Angeles die wichtigsten Filmpreise verliehen werden, ist man mehr und mehr um Korrektheit bemüht. Und wo sie nicht gegeben scheint, wird ihr Fehlen zuverlässig gerügt. So hieß es im Vorfeld der diesjährigen Oscar-Verleihung am kommenden Sonntag, es seien zu wenige Regisseurinnen nominiert. Da sich an der Auswahl aber nun nichts mehr ändern lässt, wird wenigstens der Name einer Preiskategorie korrigiert, und zwar von jener, an der das Ausland ganz besonderen Anteil nimmt.

Der betreffende Filmpreis wurde oft vereinfachend „Auslands-Oscar“ genannt, aber korrekt war das nie. Offiziell hieß die Kategorie „Best Foreign Language Film“ – also „bester fremdsprachiger Film“. Nun ist damit Schluss. Man mag ja noch mit gutem Grund von „Fremdsprachen“ reden, insgesamt gilt die Kategorie des Fremden längst als verdächtig. Und als international will man ohnedies gelten in Zeiten der globalisierten Welt – zumal in Hollywood, als Repräsentanten eines Kinos, das sich um weltweite Verbreitung bemüht. Das offizielle Hollywood erklärt sich so: „Wir haben bemerkt, dass der Begriff ,fremd’ innerhalb einer globalen Filmemachergemeinschaft irgendwie überholt erscheint“; das teilen Diane Weyermann und Larry Karaszewski mit, die Vorsitzenden des für die Preiskategorie zuständigen Komitees. Und weiter: „Wir denken, dass ,Internationaler Spielfilm’ diese Kategorie besser beschreibt und einen positiven und inkludierenden Blick aufs Filmemachen als universale Erfahrung wirft.“ Geht das aber nicht (irgendwie) mit einer starken Auf- und Umwertung einher? „Bester internationaler Spielfilm“ klingt doch mindestens so hochkarätig wie die eigentlich noch immer renommierteste – englischsprachige – Kategorie „bester Film“ …