Zeitzeichen

Pippis Lied

Einmal ist das Lied gar im Deutschen Bundestag erklungen. Ob es damit geadelt wurde, ist freilich zweifelhaft – viele haben den bemühten Gesang der späteren SPD-Chefin Andrea Nahles nicht als Sternstunde des Parlamentarismus empfunden. Als die damalige Generalsekretärin der Partei den Titelsong zur „Pippi Langstrumpf“-Verfilmung anstimmte, wollte sie ein Loblied kritisieren, das zuvor die Bundeskanzlerin auf die Politik ihrer Regierung gesungen hatte. So unmelodisch wie dieses klang auch Nahles, der es ganz auf den Inhalt ankam: „Ich mach’ mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt.“ Millionenfach wiedererkannt wurde das gleichwohl, und natürlich kamen sogleich Bilder des rotbezopften starken Mädchens in den Sinn.

Viel weniger Menschen werden sich erinnert haben, wer die ursprüngliche Interpretin des Songs war. Die deutsche Stimme der Darstellerin Inger Nilsson in der TV-Serie war – Eva Mattes. Daran hat die bekannte Schauspielerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erinnert. Wie so viele Menschen das Buch der Astrid Lindgren in Erinnerung behielten, so hat auch Mattes oft daran gedacht – ans Buch und besonders die Verfilmungen, in denen sie zunächst Pippis Freund Tommy und dann Pippi synchronisierte. Lindgren begleitet sie noch heute. In Liederabenden präsentiert sie Auszüge aus Tagebüchern der Schriftstellerin, soeben war sie damit im Berliner Dom zu Gast. Die Perspektive ist nicht diejenige Pippis – es wird keine Welt nach eigenen Vorstellungen zusammengesetzt, wenngleich es der Autorin wohl wünschenswert erschienen wäre. Der Abend hat als Titel das Lindgren-Zitat: „Die Menschheit hat den Verstand verloren“. Thomas Groß