Zeitzeichen

Pornografie des Essens

Wohl jeder hat schon mal verachtungsvoll an den Nebentisch im Restaurant geschielt, wenn dort wieder ganz exzessiv per Smartphone Fotos von den servierten Gerichten gemacht wurden. Und beinahe ebenso viele haben sich auch schon selbst bei solchen Geschmacklosigkeiten ertappt.

Die Bilder landen zumeist in den sozialen Medien. Wie so oft fragt man sich dabei, sobald man etwas hinter die täglichen Gewohnheiten zurücktritt: Wen interessiert das? Und warum muss man eigentlich genau das von sich zeigen? In diesem Fall könnte die Auflösung einfacher sein als gedacht. Schon der in diesem Zusammenhang verwendete Hashtag #foodporn gibt uns ein Indiz. Frei übersetzt ein Essens-Porno also. In der Tat liegt dem Präsentieren des eigenen Tellers eine sexuelle Komponente zugrunde. Er signalisiert: Sieh her! Ich ernähre mich gesund! Ich bin gesund! Wenn du mit mir Kinder zeugst, so werden sie ebenfalls gesund! Es handelt sich also um ein Paarungsritual, das die Urinstinkte anspricht. Für mich kann die Konsequenz nur sein, mich künftig beim Anblick von Essen angeekelt vom Bildschirm abzuwenden und zu rufen: Pfui, wie versaut! Norman Wursthorn