Zeitzeichen

Primitiv

Es ist schon seltsam, geradezu lächerlich, da gibt es hoch- und höchstentwickelte Lebewesen, die zu allem Möglichen fähig sind und sich für noch mehr fähig halten, und dann kommt ein Fast-schon-Nichts daher und lehrt alle das Fürchten. Experten streiten, ob Viren zu den Mikroorganismen gezählt werden sollen, denn Lebewesen sind sie eigentlich keine und so gesehen auch keine mikroskopisch kleinen.

In Zeiten wie diesen muss man sich hüten, hochmütig zu erscheinen, aber gesagt werden muss es doch: Viren sind eigentlich völlig primitiv. Sie haben nicht einmal einen eigenen Stoffwechsel und können sich auch nicht selbst oder miteinander fortpflanzen. Eben deshalb aber befallen sie Wirtszellen, wo sie sich dann sehr wohl ausbreiten. Kurios, was sich die Natur alles ausdenkt, meistens ist es nicht mal sehr gefährlich, nur dieses neuartige Coronavirus setzt uns allen so entsetzlich zu. Tatsächlich eine kleine Ursache mit großer Wirkung. Normalerweise könnte das Mut machen, hier bewirkt es eher das Gegenteil – wogegen man freilich mit ganzer Willenskraft angehen muss.

Die aus der griechischen Mythologie bekannte Büchse der Pandora, die alle Übel enthält, ist über die Zeit zahllos oft zitiert und als Metapher gebraucht worden. Dass, wie ernsthaft vermutet wird, zu Suppe verarbeitete Fledermäuse nun als diese Büchse gelten könnten, weil womöglich das Virus durch diese Tiere oder durch Schlangen auf den Menschen gekommen ist, hätte man zuvor kaum für möglich gehalten. Größer, wesentlicher erscheint die oben erwähnte Ursache dadurch nicht. Aber vielleicht steigert das immerhin den Trotz – weil es ja nicht sein kann, dass man vor solchen Ursachen in die Knie geht!