Zeitzeichen

Prinz Harry im Rosengarten

In Zeiten von Corona sind die Türen zu den Kulturhäusern dieser Republik geschlossen. Dicht. Nichts geht mehr. Gut, der eine oder andere Künstler, die eine oder andere Band, ja sogar das eine oder andere Orchester nutzen die Zeit der Zuschauerabstinenz dazu, neue Wege zu bestreiten: „Digitales Konzert“ lautet das Motto der Stunde. Aber ob sich da auch so ein richtiges Konzertfeeling einstellt? Wir werden es erleben und testen …

Für den gemeinen Kulturjournalisten sind die geschlossen Kulturhäuser jedenfalls ein Alptraum. Wie bekomme ich meine Seiten voll? Welche Themen gibt es eigentlich noch? Wenn sich dann auch noch die Royalisten zu Wort melden, etwa in einer abendlichen Fernsehdokumentation über die Windsors, gerät so manches Feuilletonisten-Hirn – verständlicherweise, wohlgemerkt – vollends aus den Fugen.

Und so kommt es, dass der nächtliche Schlaf in den Konzertsaal des Mannheimer Rosengartens verlegt wird – gedanklich, muss hier, wohl auch aus juristischen Gründen, unbedingt noch angemerkt werden.

Alexander Soddy dirigiert das Akademiekonzert – so weit, so normal (nur eben nicht in diesen Tagen). Das Programm wirkt dagegen schon etwas gewagter: „Das singende royale Quartett“ aus London ist zu Gast – und gibt in Mannheim (wo denn auch sonst?) sein letztes Konzert vor seiner Trennung. Und so hebt Soddy seinen Dirigierstab und Prinz William, Prinz Harry, Herzogin Kate sowie Herzogin Meghan singen: „God Save The Queen“. Harry und Meghan tun das ja nicht mehr, wie allgemeinbekannt ist und dem Konzertkritiker im Publikum ein verschmitztes Lächeln entlockt. Der Dreh der Kritik ist gefunden!

Besser wird es allerdings noch, als Harry, nach dem gut achtstündigen Konzert, zur Zugabe „My Way“ zum Besten gibt. Soddy und das Akademieorchester hören andächtig Harrys eindrucksvollen Interpretation des Klassikers – einst unter anderem von Frank Sinatra weltberühmt gemacht – zu. Und der Feuilletonist? Der ist glücklich ob des großen Interpretationsspielraums dieser Zugabe, ehe – der Wecker klingelt. Alles nur ein Traum. Schade! Aufstehen. Corona ist noch immer da. Leider auch in Mannheim (im Gegensatz zum „singenden royalen Quartett“). Wie bekommt man heute dann also die Seiten voll? 

Zum Thema