Zeitzeichen

Puppenhaft

Es wurde bereits gestern vermeldet, verdient aber doch noch eine kleine Nachbemerkung. Dass die Barbie-Puppe Hauptfigur einer US-amerikanischen-Realfilmproduktion werden soll, ist allein schon kurios. Mehr als bemerkenswert ist aber auch die Wahl der Hauptdarstellerin: Die gebürtige Australierin Margot Robbie wird sozusagen zur Puppe gemacht, obgleich – der etwas müde Witz liegt nahe – ein entsprechendes Rollenmodell sowohl in „realen“ Verhältnisses wie solchen der Unterhaltungsindustrie längst überholt sein sollte. Robbie überzeugte außerdem zuletzt als ganz reale Eiskunstläuferin im an wirklichen Ereignissen orientierten Spielfilm „I, Tonya“, und dort gab sie eine garstige Sportlerin, die sich den gleichsam puppenhaften Vorstellungen ihres Verbandes gründlich widersetzte. Die Leistung brachte ihr übrigens eine Oscar-Nominierung ein. Und wenn wir schon bei Puppen sind, wer spielt dann wohl Barbies Ken?

Überhaupt: Vielleicht erinnert sich wer an die 1970er Jahre, da war einige Zeit bei Knaben eine Puppe namens „Big Jim“ populär, so groß wie Barbie und Ken, aber viel muskulöser. Dazu eine Sache, die auch die Fernsehwerbung groß herausbrachte: Durch einen auf der Rückseite eingebauten Mechanismus beherrschte er den Karateschlag! Außerdem konnte er den Arm biegen und so ganz imposant den Bizeps schwellen lassen. Also, liebe Leute mit Einfluss in Hollywood: Wenn schon Barbie, dann könnte auch Jim noch mal für einen Film herhalten. Sein Hersteller, der Spielzeugkonzern Mattel, hätte wohl nichts dagegen. Thomas Groß