Zeitzeichen

„Ritterschlag“ von Bushido

Archivartikel

Was haben Liverpools Welttrainer Jürgen Klopp und der Mannheimer Sänger Laith Al-Deen neuerdings gemeinsam? Sie dürfen sich über verbale Prügel von Bushido wundern. Der einstige Marktführer des deutschen Gangsta-Rap hat früh entdeckt, dass das sogenannte Dissen besonders umsatzfördernd ist, wenn man nicht nur gegen andere Hip-Hop-Prolls ledert, die außerhalb der Genre-Filterblase kein Schwein kennt.

Beim Provozieren kostenloser Werbung lief der Berliner 2015 auf dem Album „CCN3“ zumindest quantitativ zu Hochform auf. Darauf werden unter anderem Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, Fußball-Weltmeister Sami Khedira, Politiker Gregor Gysi, das Moderatoren-Duo Joko Winterscheidt/Klaas Heufer-Umlauf, Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, sowie die Kabarettisten Dieter Nuhr und Serdar Somunc durchbeleidigt. Gegen Klopp kündigte der Ex-Bundestagspraktikant 2014 Handgreiflichkeiten an: „Der Jürgen Klopp in Birkenstock / Lustig, lustig, wenn ich ihm sein Maul mit meinem Gürtel stopf’.“ Was noch harmlos ist im Vergleich zum Lied „Stress ohne Grund“ (2013). Darin überschreitet der Deutsch-Tunesier vor allem gegen Grünen-Politikerin Claudia Roth mehr als nur die Geschmacksgrenze mit der Zeile „Ich schieß’ auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“.

So gesehen wird Al-Deen im Song „Okzident“ auf Bushidos zehnten Nummer-eins-Album „CCN4“ fast schon mit rhetorischen Wattebäuschchen getätschelt: „Doch eure Singles klingen noch beschissener als Laith Al-Deen“, schimpft Bushido recht allgemein in Richtung Richtung „Deutscher Hip-Hop“. Normalerweise kommt man zu der „zweifelhaften Ehre“ einer in diesem Fall auch noch völlig unsachgemäßen „Musikkritik“ nur, wenn man Bushido kritisiert hat oder – Zitat – „mir jemand auf den Sack gegangen ist.“ Da ist bisher nichts aktenkundig. Aber das PR-Werkzeug hat zwei Seiten: Nuhr und Somuncu haben daraus gute Nummern gemacht, Al-Deens Songs dürften via Streaming neugierige Laufkundschaft verzeichnen. Im Idealfall gehen die Straßenrap-typischen sogar nach hinten los: Denn wer sich mal mit Nuhr, Somuncu oder Al-Deen beschäftigt hat, dem könnte Bushido-Hören auf Dauer schlicht zu blöd sein. Jörg-Peter-Klotz