Zeitzeichen

S wie Stanišić

Archivartikel

Nicht alle Schriftsteller lassen dem Ende einer Geschichte einen Epilog folgen. Aber fast alle Dankesworte. Auch Saša Stanišić, der gerade den Deutschen Buchpreis für seinen biografischen Roman über verschlungene Lebenswege vom einstigen Kriegsgebiet Jugoslawien nach Deutschland bekommen hat, richtet Dank an Eltern, Großeltern und die von der Aral-Tankstelle im Emmertsgrund – außerdem an die beiden Sachbearbeiter der Ausländerbehörden Heidelberg und Leipzig, zuständig für den Buchstaben „S“. „Herkunft“ sollte zur Pflichtlektüre all jener werden, die an amtlichen Schaltstellen über Schicksale entscheiden. So ging es 1998 darum, ob ein junger Flüchtling, der in einem Land auf die Welt gekommen ist, das es nicht mehr gibt, wie seine Eltern abgeschoben wird. Er durfte zumindest in Heidelberg studieren – weil jemand „mehr als nur Dienst nach Vorschrift tat“, wie der Geduldete zwei Jahrzehnte später zurückblickt. Als nach der Uni eine Sachbearbeiterin zu befinden hatte, ob Schreiben ein Brot-Beruf ist, da diente die bescheidene Vertragssumme für den Erstlingsroman nicht gerade als überzeugende Argumentationshilfe.

Gleichwohl bekam Stanišic eine Aufenthaltserlaubnis „für die Tätigkeit als selbständiger Schriftsteller“. Ob dazu jene Kurzgeschichte beitrug, die er in die Ausländerbehörde mitgebracht hatte – samt Hinweis, als Abdruckhonorar immerhin 45 Euro erhalten zu haben? Wie auch immer. Den damaligen Sachbearbeitern sei Dank – auch von Lesern!