Zeitzeichen

Schlimmer als Pinocchio

Nein, ich habe den letzten Schokoweihnachtsmann nicht gegessen, du weißt doch, ich bin gerade auf Diät!“ Eine Notlüge hier und da – wer kennt (und macht) das nicht? Doch ob man mit einer kleinen Schwindelei den häuslichen Frieden bewahrt oder als mächtigster Mensch der Welt ungehemmt Lügen hinausposaunt – dazwischen liegt doch ein hauchdünner Unterschied. Einem Kandidaten (im wahrsten Sinne des Wortes) macht das aber rein gar nichts aus: Donald Trump, amtierender Präsident der Vereinigten Staaten, der auch für die diesjährigen Wahlen wieder kandidiert. Laut „Washington Post“ hat der 73-Jährige von Beginn seiner Amtszeit bis zum 19. Januar 2020 insgesamt 16 241 unbelegte oder schlicht falsche Aussagen von sich gegeben. Egal, ob er den Geburtsort von Barack Obama anzweifelt, beim Wirtschaftswachstum übertreibt oder „einfach“ den Klimawandel leugnet – kaum ein Themenbereich ist sicher vor dem Präsidenten. Sogar Trumps Amtseinführung begann mit einer Lüge: Als „das größte Publikum, das je einer Amtseinführung beigewohnt hat“ bezeichnete sein Sprecher die Menge vor dem Capitol – das entsprach nur leider nicht der Wahrheit. Und wie reagiert man, wenn die „Washington Post“ einen mal wieder beim Schwindeln erwischt? Richtig, man bezeichnet sie einfach selbst als Lügner!

Wenigstens eine gute Sache hat das Ganze dann aber auch für uns: Wenn man sich das nächste Mal bei einer kleinen Lüge erwischt, kann man sein schlechtes Gewissen damit beruhigen, dass Trump durchschnittlich auf 15 Lügen pro Tag kommt – dagegen ist eine einzige Notlüge doch, ja was denn? Sie ist geradezu lächerlich.